19. März bis 08. April | Passionszeit

Marthin Luther

»Darum wisse, dass die Ehe ein äußerlich, leiblich Ding ist wie andere weltliche Hantierungen. Wie ich nun kann mit einem Heiden, Juden, Türken, Ketzer essen, trinken, schlafen, gehen, reiten, kaufen, reden und handeln, also kann ich auch mit ihm ehelich werden und bleiben, und kehre dich an der Narren Gesetze, die solchs verbieten, nichts«
(Martin Luther: Vom ehelichen Leben, 1522, Reclam 1978).

Als ich noch studierte, beunruhigte mich eine Pressemeldung: ein protestantischer Vikar wurde nicht in den Kirchendienst als Pastor übernommen, weil er eine praktizierende Jüdin geheiratet hatte. Das verursachte nicht nur mir Bauchgrimmen. Bald darauf erschienen in einem schmalen Reclamheft einige Schriften Luthers zur Ehe. Luther sah die Ehe weder als besonders löblich an noch als heilig, sondern eben »weltlich«. Da der Mensch schwach und triebhaft sei, solle er lieber heiraten als sich zwanghaft vor dem Leiblichen fürchten. Luther begründete die Ehe düster aus unsern Sünden heraus. Das fand ich (ich hatte inzwischen geheiratet und fühlte mich als Vater nicht »triebhaft«, sondern sehr glücklich) allzu negativ. Immerhin: an einer Ehe von Leuten unterschiedlichen Glaubens stieß sich Luther nicht.
Doch das Reclamheft endete mit Luthers Testa­ment. Dies stellt eine wahre Liebeserklärung an seine Frau dar: sie hatte ihm sechs Kinder und einen glücklichen, geselligen Hausstand ermöglicht. Luther war eher verschwenderisch; seine Frau hielt alles zusammen, weshalb er sie spöttisch und dankbar als seinen »Herrn Käthe« ansprach. (Eine Witwe durfte damals nichts erben; die Gesetze schrieben vor, dass die Kinder die Mutter nach Gutdünken versorgten.) So bat Luther seinen Landesherrn, er möge einmal eine Ausnahme machen. Und so geschah es: Katharina Luther, geborene von Bora hat das verdient. Ich habe den Eindruck: Luther war ein besserer Ehemann, als seine Theorien vorsehen!


AutorIn: Frank Hörtreiter


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Ausgabe 1|2017


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