25. Mai bis 03. Juni | Himmelfahrt

Martin Luther

»Christ lag in Todesbanden,
für unsre Sünd gegeben.
Der ist wieder erstanden,
und hat uns bracht das Leben …

… Er ist selber die Sonne,
der durch seiner Gnaden Glanz
erleuchtet unsre Herzen ganz,
der Sünden Nacht ist vergangen.«
(»Christ lag in Todesbanden«, aus den Strophen 1 und 6)

Davon ich singen und sagen will – Martin Luther und seine Lieder

Mit der Reformation begann der Gemeinde­gesang aufzublühen. Es entstanden zahlreiche neue Lieder, und auch die ersten Gesangbücher sind Kinder der Reformation (nach dem ersten der Böhmischen Brüder 1501: Wittenberg 1524 und 1529, Erfurt 1524, Nürnberg 1523, weitere z.B. in Leipzig, Straßburg und Konstanz). Auch Frauen sammelten Lieder und komponierten, so Katharina Zell in Straßburg und Elisabeth Cruciger in Wittenberg. Zunehmend wurde das Singen der Gemeinde neben Predigt und Gebet im Gottesdienst gleichwertig gepflegt.
Luther selbst hat viele Lieder geschrieben, vor allem Texte, aber auch einige Melodien. Diese gehen meist auf ältere Hymnen, liturgische Gesänge oder Volkslieder zurück. Seine ganz eigenen Melodien sind oft rhythmisch herausfordernd, einprägsam und lebendig, so in »Ein’ feste Burg …«, das durchaus kämpferisch gemeint war, aber erst nach Luther in einen etwas sturen Viervierteltakt eingeglättet wurde. Oft folgen sie Psalmen. Bekannt geworden ist vor allem ein Lied, das ganz von ihm stammt: »Vom Himmel hoch, da komm ich her …« In den Texten vermittelte er die reformatorische Theologie bildreich und fassbar. So lag ihm in den Weihnachtsliedern besonders der wunderbare Wechsel am Herzen, durch den der höchste Gott in Armut und Bedürftigkeit erscheint, um den Menschen reich und Gottes würdig zu ­machen. Zu Ostern geht es ihm um die Sühne, die vollständige Wiederherstellung des Menschen durch die Tat Christi.
So haben wir von Luther viele Weihnachtslieder, für die Passion eine Melodie für einen liturgischen Gesang zum Abendmahl (»Christe, du Lamm Gottes …«), die Osterlieder »Christ lag in Todesbanden« und »Jesus Christus unser Heiland«, mehrere Lieder zu Pfingsten und Glaubenslieder wie »Aus tiefer Not schrei ich zu Dir« und »Verleih uns Frieden« – eine Bitte, die damals so dringlich schien, wie sie es heute ist, und deshalb von Luther nach einem alten Hymnus neu gefasst wurde.


AutorIn: Dorothee Jacobi


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