25. Mai bis 03. Juni | Himmelfahrt

Martin Luther

»… wo du mir Gott hinsetzest, da musst du mir die Menschheit mit hinsetzen!«
Martin Luther: Vom Abendmahl Christi, Bekenntnis, 1528

1526 versucht Luther aus der römischen Messe eine deutsche Messe zu schaffen. Er hält zunächst an der Messe fest. Denn für ihn erneuert sich durch den im Abendmahl real anwesenden Christus die große göttliche Gnade.
Luthers Treue zur Realpräsenz Christi im Abendmahl gründet in seinem Verständnis von der Himmelfahrt Christi, einem wesentlichen Streitpunkt mit Zwingli. Für Zwingli bedeuten Brot und Wein Leib und Blut Christi. Luther protestiert. Für ihn ist Gottes »Rechte Hand« geistig konkret in dieser Welt wirksam: »Die rechte Hand ist die, mit der wir schaffen, so ist die rechte Hand Gottes in allen Dingen, so ist auch Christus zur Rechten des Vaters in allen Dingen mit seinem Leib und Blut. Er durchdringt alles.«
Um Christi Himmelfahrt zu begreifen, müsse man unterscheiden die »begreifliche, leibliche Weise, wie er [Christus] auf Erden leiblich ging, da er Raum gab und nahm. Auf solche Weise ist er nicht im Himmel. Zum andern die unbegreifliche, geistliche Weise, da er keinen Raum nimmt noch gibt, sondern durch alle Kreatur fährt, wo er will. Zum Dritten die göttliche, himmlische Weise, da er mit Gott eine Person ist.«
Christi Existenzweise nach seiner Himmelfahrt müsse verstanden werden als die »… Weise, wie sein göttliches Wesen ganz und gar in allen Kreaturen und in einer jeglichen besonderen sein kann, tiefer, innerlicher, gegenwärtiger als die Kreatur sich selbst ist …« Denn Gottes rechte Hand ist allenthalben, besonders aber ist Christus im Abendmahlsgeschehen gegenwärtig. Luther gebraucht dabei ein starkes Bild: Sind im glühenden Eisen nicht auch Feuer und Eisen am gleichen Ort? So durchglühen der Leib und das Blut Christi Brot und Wein auf dem Altar. Nur durch derartige Gedanken könne man die Vernunft befreien, die »im Dreck stecke.«
In anderer Form finden wir Luthers Einsichten im Credo der Christengemeinschaft wieder, wo es über Christus nach seiner Himmelfahrt heißt: »Er ist seit dieser Zeit der Herr der Himmelskräfte auf Erden und lebt als der Vollführer der väterlichen Taten des Weltengrundes.«


AutorIn: Günther Dellbrügger


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Ausgabe 5|2017


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