27. November bis 24. Dezember | Advent

Martin Luther

Der Glaube und die guten Werke

»Gute Werke machen keinen guten Menschen,
sondern ein guter Mensch schafft gute Werke.«
Abhandlung über die christliche Freiheit, 1520

Es ist nicht ganz richtig, wenn man sagt, dass es bei Luther auf die guten Werke nicht ankäme, weil wir allein durch die Gnade Gottes gerechtfertigt sind und wir dann machen können, was wir wollen. Es handelt sich vielmehr um die richtige »Reihenfolge« der Dinge: Wir können uns die Gunst Gottes nicht durch gute Werke erwerben. Denn wir können uns nie bis in unseren letzten Seelenwinkel sicher sein, ob wir es nicht genau darauf angelegt haben. Sprich: kein Mensch ist vor seinem eigenen Heilsegoismus sicher, in dem er die guten Werke um des eigenen Wohls willen tut. Deshalb muss es anders herum sein und die Gunst Gottes allem vorangehen. Und dann ist es an uns, sie wahrzunehmen und wahr zu machen. Das ist der keineswegs passive »Glaube« im Sinne Luthers, und aus diesem heraus folgen die guten Werke mit quasi naturnotwendiger Selbstverständlichkeit. – So heißt es einmal über diese Werke bei ihm: »Folgen sie aber nicht, so ist gewisslich dieser Glaube nicht da; denn wo der Glaube ist, da muss der heilige Geist dabei sein, Lieb und Güt in uns wirken.«
Nicht die guten Werke kommen als Erstes, sondern der Glaube. Wenn sie aber nicht kommen, dann leben wir im Falschen. Luther verwendet das Bild vom Baum, der gar nicht anders kann, als gute Früchte zu tragen. Genau in diese Seinsverfassung müssen auch wir gelangen. Sie hat etwas unbewusst Bewusstes. Das ist Gnade im Sinne von Charis (Anmut). Diese Gnade ist nicht an Voraussetzungen gebunden, die wir liefern, aber sie bleibt nicht ohne Folgen, denn aus ihr gehen die Taten der Liebe hervor. Während die gnadenlos guten Werke eben auch lieblos sind.


AutorIn: Ruth Ewertowski


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