Gemeindebrief

Liebe Mitglieder und Freunde der Bonner Gemeinde,
Vor wenigen Jahren ist ein Buch erschienen, indem der Waldorflehrer Frank Lutters ein Mysterium vertieft, das Rudolf Steiner einmal nannte: „Der Nil am Rhein“. „Auch wenn die Distanzen ganz andere sind, besteht eine auffallende Übereinstimmung zwischen der räumlichen Gestalt des Rhein und des Nil“ schreibt Lutters, und zeigt uns, dass z. B. das Delta- gebiet des Rheins in den Niederlanden mit Alexandria im Nildelta an der Mittelmeerküste zu vergleichen ist. Der Nil stromabwärts nach Heliopolis entspricht der Lage Kleves am Niederrhein, die Stadt des sagenumwobe- nen Schwanenritters Helias. Und El Armana in der Mitte, die Stadt Echnatons, wäre nach diesem Vergleich auf der Höhe von Bonn-Bad Godesberg am anderen Rheinufer zu verorten.
In Alexandria war es Ptolemaios, der General Alexanders des Großen, der die Stadt in der hellenistischen Zeit als kosmopolitisches Zentrum Mi- chaels zum Blühen brachte, – Impulse, die im 20. Jahrhundert am Rhein- delta in den Niederlanden in vielen anthroposophischen Initiativen dort neu auflebten. Das Schwanenrittermotiv, das als Kulturimpuls in Kleve geheimnisvoll bis in die Gegenwart zu finden ist, lässt sich bis nach Heliopolis zurückführen, wo Osiris vom Totenreich aus auf die Erde wirkte. Und was Echnaton als Repräsentant der Sonnenmysterien in El Armana wecken wollte, könnte es in verwandelter Form auch heute in Bonn zu entdecken sein, dem Ort am Rhein, in dem auch wir in der Gemeinde spirituell tätig sind?
Das Phänomen „Nil am Rhein“ wird manchen mehr in ungläubiges Staunen versetzen, andere jedoch, wie Frank Lutters, entdecken lassen: „dass geistige Wesen sowohl auf das Seelenklima eines geographischen Gebietes als auch in aller Freiheit auf die Menschen einwirken können, die von dort aus bestimmten spirituellen Intentionen dienen können“. In zwei Vorträgen über Echnaton und Ptolemaois wollen wir uns in der Michaelizeit auf die Suche nach diesen Intentionen machen und wie wir sie fruchtbar eingreifen können. Für die Ägypter war der Nil ein Fluß, dessen Ursprung nicht auf der Erde, sondern ein Strom im Himmel war, auf dem die Götter in Sternenschiffen fuhren. Durch ihn schickten diese ihre Gaben, die man zu empfangen wusste. Mögen auch wir heute solche Gaben vom Wesen des Rheines zu empfangen verstehen.
Es grüßt Sie im Namen der Pfarrerkonferenz
Ihr Michael Rheinheimer