Was ist die Christengemeinschaft?

                                            Die Christengemeinschaft - Bewegung für religiöse Erneuerung

Die Formen christlicher Lebenspraxis in zeitgemäßer Weise

zu erneuern, wurde die Christengemeinschaft 1922 gegründet.

Geistige Grundlage sind die 7 Sakramente in ihrer erneuerten

Gestalt: Taufe, Konfirmation, Beichte, Abendmahl, Trauung,

Priesterweihe für Frauen und Männer, sowie das  Sterbesa=

krament (letzte Ölung).

Im Zentrum des gemeinsamen religiösen Lebens steht die Feier

der Menschen–Weihehandlung, der Abendmahlsgottesdienst.

Daneben finden Vorträge, Arbeitskreise und Tagungen, Konzerte

und Ausstellungen, sowie der Religionsunterricht statt, und es

werden Angebote für Kinder, Jugendliche und Familien gemacht.

 

Sämtliche Veranstaltungen sind öffentlich und laden zum Teilnehmen ein.

Die Christengemeinschaft — Was sie ist

Inmitten der vielen religiösen und weltanschaulichen Gemeinschaften unserer Zeit tritt die Christengemeinschaft mit einem eigenen christ= lichen Gemeindeleben auf. Dieses beruht zum einen auf der Erneuerung und Fortbildung des christlichen Gottesdienstes, der Messe, zur Men= schen-Weihehandlung. Zum anderen gibt es ein neues christliches Bekenntnis (Credo), in dem die Wahrheit des christlichen Glaubens in einer unserer Zeit gemäßen Form enthalten ist.

Gottesdienst und Bekenntnis leben durch die gemeinsame und individuelle religiöse Übung der Gläubigen. Zu dieser gehört auch ein neuer Umgang mit dem Evangelium und dem Gebet.

Die Christengemeinschaft ist also Sakramentsgemeinschaft. Taufe, Konfirmation, Beichte, Trauung, Priesterweihe und Letzte Ölung sind mit dem Zentralsakrament, der Menschen-Weihehandlung, verbunden.

Ein Kindergottesdienst und altersgerechte religiöse Unterweisung, die Pflege eines vertieften und erweiterten Verständnisses des Neuen Testaments, Beratung und Seelsorge nach den Erwartungen derer, die darum nachsuchen, Vorbereitung der Sakramente und deren Vollzug, Bestattung und Fürbitte sind wesentliche Lebensfunktionen des Gemeindewesens.

Wer sich diesem aus freiem Entschluss nach reiflicher Prüfung verbinden will, wird Glied der Gemeinde, Mit-Glied der Christengemeinschaft.

Die Christengemeinschaft — Was sie nicht ist

Die Christengemeinschaft ist nicht die alleinseligmachende Kirche; sie kann und will nicht als »die« Kirche »für alle« gelten, aber für alle offen sein, die sich in ihr vereinen wollen.

Eine Sonderlehre oder die besondere Hervorhebung einzelner Glaubenswahrheiten (Sekte) kennt sie nicht; das Christentum ist universell und darf nicht durch Überbewertung einzelner Lehrinhalte und Verhaltensnormen in seiner einzigartigen Größe entstellt werden.

Die Christengemeinschaft ist auch nicht die „Anthroposophenkirche”, wenngleich sie die einzige christliche Gemeinschaft ist, die die Anthro= posophie Rudolf Steiners anerkennt und deren entscheidende Hilfe für die Erweiterung und Erneuerung der Theologie aufgenommen hat.

Die Christengemeinschaft ist nicht gegründet auf einer Bekenntnisverpflichtung der Gläubigen. Sie steht nicht in einem Abhängigkeitsver= hältnis zur staatlichen Steuerordnung; alle Zuwendungen der Mitglieder kommen freiwillig nach deren Selbsteinschätzung zusammen. Ihre Pfarrer sowie die Mehrzahl der anderen Mitarbeiter sind hauptberuflich tätig; ihr Gehalt wird nicht nach Leistungen, Amtsalter, Stellung oder Vorbildung, sondern allein nach den Möglichkeiten der Gemeinschaft bemessen.

Sie ist nicht kunst- oder kulturfeindlich, sondern hat durch ihr kultisches Leben selbst vielfältige künstlerische Aufgabenfelder (z.B. Architektur, Plastik, Malerei, Musik) und ist um die Pflege des Zusammenhangs wahrer Religion mit den Quellen wahrer Kunst bemüht.

Der Gottesdienst

Das eucharistische Mahl, das Sakrament von Brot und Wein, das in den christlichen Kirchen verschiedene Formen gefunden hat, lebt in der Menschenweihehandlung in einer neuen Gestalt. Dieser — zunächst ungewohnte — Name will sagen: Mensch wirst du erst durch die Hilfe Christi, der seine heilende Kraft dem schenkt, der ihn suchen, erkennen und ihm folgen will.

In seiner urbildlichen Ordnung der vier Stufen: Verkündigung des Evangeliums, Opferung, Wandlung und Kommunion erweist sich die „neue Messe” als Weg des Menschen zu Christus. Das Glaubensbekenntnis, eine kurze Predigt und das Vaterunser werden dem Vollzug des Gottesdienstes eingefügt.

Wie der Jahreslauf der Erde in den Jahreszeiten, so ist auch das Jahr der Seele in den Festeszeiten des Kirchenjahres rhythmisch gegliedert. der Altar und die liturgischen Gewänder erscheinen in Farben, die den besonderen Charakter, die Stimmung des jeweiligen Festes zum Ausdruck bringen oder aber der Art der gottesdienstlichen Feier zugehören.

Der Gottesdienst ist äußerlich sichtbares Abbild höherer geistiger Vorgänge. Farben und Formen der Gewänder und Geräte lassen durchscheinen, was sich unsichtbar in den Zeremonien vollzieht.

Außer den Mitgliedern der Gemeinde können auch Besucher teilnehmen, die den Gottesdienst zunächst nur kennen lernen wollen. Der selbstgewonnene Eindruck kann oft mehr bedeuten als eine Beschreibung.

Die Sakramente

Der Mittelpunkt des sakramentalen Lebens ist die Menschenweihehandlung. Ihr sind die anderen sechs Sakramente eng verbunden:

  • Die Taufe der Kinder
  • Die Konfirmation
  • Die Beichte / Schicksalsberatung
  • Die Trauung
  • Die Priesterweihe
  • Die Letzte Ölung

Sie stehen an den Knotenpunkten des menschlichen Lebenslaufes (Taufe, Konfirmation, Letzte Ölung) oder da, wo ein Mensch für seine individuellen Entschlüsse den Segen Gottes erbittet.

Sie werden in persönlichen Gesprächen vorbereitet, die Bewußtsein und Verständnis für den Vollzug stärken sollen.

Patenschaft und Trauzeugenamt werden in gemeinsamer Verantwortung aus der Gemeinde begründet.

Die Schicksalsberatung dient der wachsenden Selbstverantwortlichkeit des Gläubigen (Sinneswandlung). Es gibt keinen Beichtzwang.

In der Christengemeinschaft wird das Sakrament der Priesterweihe Mann und Frau in gleicher Weise gespendet.

Die Letzte Ölung hilft dem Sterbenden, sich aus dem Leibe zu lösen und in das leibfreie geistige Dasein hinüberzugehen; zu ihr gehören die Aussegnung und die Bestattung.

Über Einzelheiten geben die Pfarrer Auskunft; eine themenbezogene Literatur kann das Gespräch ergänzen.

Das Evangelium

Das ganze neue Testament — insbesondere die vier Evangelien — ist auch heute für ein erneuertes religiöses Leben die Offenbarungsquelle. Allerdings bedarf es beim Lesen und Hören einer anderen Gesinnung, als jedem anderen Text gegenüber.

Intellektualistische Wissenschaftlichkeit verhindert den Zugang, besonnen-meditative Behutsamkeit öffnet ihn.

Wer mit der wesenhaften Wirklichkeit des Geistes rechnet, ohne sich abergläubisch oder medial zu verhalten, wird im lebendigen Evangelienwort eine einzigartige Kraftquelle finden.

Zur Einführung in das Evangelium werden Kurse und Seminare angeboten, ebenso eine umfangreiche Literatur.

Verkündigung / Lehre

Der Mensch ist seinem Wesen und seiner Bestimmung nach Bürger zweier Welten: einer übersinnlich-geistigen und der irdisch-natürlichen. Während des Lebens auf Erden kann er seinen himmlischen Ursprung vergessen und dadurch zum Glied nur der vergänglichen Welt werden.

Durch Religion verbindet sich der Mensch im Leben zwischen Geburt und Tod in aktiver Weise wieder mit der Welt seines Ursprungs.

Christus ist der Schöpfer der Welt, der sichtbaren wie der unsichtbaren. Er ist in Jesus von Nazareth Mensch geworden und hat durch sein Leben, durch Passion, Tod und Auferstehung die Menschheit vom Untergang errettet („erlöst”). Seither kann der einzelne bewusst Christus suchende Mensch die Verbindung mit Ihm finden. In ihr erfährt er ein neues Leben und sein Fortbestehen.

Unsterblichkeit / Ungeborenheit

Zur Frage: Wohin? Angesichts des Todes gehört im Blick auf die Geburt die andere: Woher? Beide Ereignisse, Geburt und Tod, sind Tore, durch die das Menschenwesen in das Leben herein- und aus ihm hinausgeführt wird. Deshalb muss heute neben eine neue Lehre von der "Unsterblichkeit" des Menschen eine von seiner „Ungeborenheit” (Präexistenz) treten.

Durch die Eltern entsteht der Leib des Menschen; Seele und Geist jedoch entstammen höheren Daseinsbereichen. In seinem Schicksal offenbart sich, was früher bereits vorbereitet wurde und später durch ihn weitergebildet werden soll. Auf Erden soll er durch Christus zur Freiheit finden und so auch zur Kraft unegoistischer Liebe.

Religiöse Erziehung

Mit der Taufe beginnt die christliche Entwicklung. Sie bedarf der Hege und Pflege, bis der Herangewachsene in der Verantwortung vor Gott und sich selbst Pate anderer werden kann.

Die gemeinsame Andacht im Gottesdienst der Kinder (Sonntagshandlung) wird ergänzt durch einen Religionsunterricht. Er folgt in seinem Aufbau durch die verschiedenen Lebensjahre der religiösen Entwicklung der Menschheit. So folgen auf Mythen und Legenden die alttestamentlichen Inhalte; danach nimmt das Neue Testament den größten Raum ein. Das Leben Jesu Christi, seine Lehre und seine Gottestat sollen dem Kind vor der Konfirmation nahe gebracht werden. Nach der Konfirmation gilt es, auch eine christliche Weltanschauung zu veranlagen. Die Auseinandersetzung mit dem Materialismus und seinen Begleiterscheinungen muss bewältigt werden. Das hohe Ideal religiöser Unterweisung ist das Heranwachsen selbstverantwortlicher Gläubiger, die sich von ihrem Gewissen leiten lassen und die anderen gegenüber tolerant sein können.

Begründung und Ausbreitung

Der erste vollständige Vollzug der Menschen-Weihehandlung ist die Geburtsstunde der Christengemeinschaft. Ihr gingen wichtige Vorbereitungen voraus, die durch die unermessliche selbstlose Hilfe Rudolf Steiners (1861-1925) ermöglicht wurden.

Die Begründer der Christengemeinschaft, zu denen Friedrich Rittelmeyer und Emil Bock als maßgebende Persönlichkeiten gehörten, fanden ihre Fragen nach einer christlichen Erneuerung von ihm als zeitgerecht bestätigt. So konnte 1922 die Christengemeinschaft begründet werden. Sie ist von Anfang an selbständig, ohne jede Bindung an die bestehenden Kirchen oder ihre Verbände, obwohl sie das Christentum in Kultus und reformatorischer Gesinnung in erneuerter Gestalt fortführt.

Außer im deutschen Sprachraum bestehen heute Gemeinden in den nordischen und den englisch sprechenden Ländern, in Belgien, Holland, Frankreich, Argentinien, Brasilien, Peru sowie in Australien, Neuseeland und Südafrika. In Osteuropa sind Gemeinden im Aufbau. Die erste Gemeinde in Japan ist im Jahre 2000 gegründet worden.

Aufbau

Die in die Gemeinden entsandten Pfarrer verantworten, was im Sinne einer Sakramentsgemeinschaft am jeweiligen Ort geschehen soll. In sozialen und wirtschaftlichen Belangen wirken sie mit den Organen der Gemeinde zusammen. Eine Anzahl von Gemeinden in einem größeren Gebiet bilden miteinander eine "Region". Sie sind ihrer Rechtsform nach in der Bundesrepublik Deutschland Glieder einer Körperschaft öffentlichen Rechts.

Die Priesterschaft gliedert sich in einer neuen Form hierarchischer Verantwortung in Gemeindepfarrer, Lenker und Oberlenker, von denen einer das Amt des Erzoberlenkers bekleidet. Der Sitz der Leitung ist in Berlin.

Die Pfarrer sind hauptberuflich tätig; sie werden nicht von den Gemeinden gewählt.

Mitgliedschaft

Mit der Taufe werden die Kinder in die Gemeinde aufgenommen und begleitet bis zur Konfirmation. Was als sakramentaler Segen an Unmündigen geschieht, wird im Jugendalter durch die Konfirmation bestätigt und bestärkt.

Eine bewusste Mitgliedschaft bedarf aber der Reife des Erwachsenenalters. Deshalb wird darüber erst in dieser Lebenszeit entschieden.

Menschen, die nicht in der Christengemeinschaft getauft und konfirmiert worden sind, suchen die Mitgliedschaft, indem sie zunächst am sakramentalen Leben teilnehmen. Entsteht daraus die innere Sicherheit, dass hier eine bleibende religiöse Heimat gefunden ist, so werden Aufnahmegespräche mit einem Pfarrer Klarheit über diesen freien Entschluss und seine Folgen haben.

Wirtschaftliche Belange

Seit ihrer Gründung existiert die Christengemeinschaft dank der freiwilligen Zuwendungen ihrer Mitglieder und Freunde. Wer ihr Wirken ermöglichen will, gibt regelmäßig (meist monatlich) einen Beitrag nach verantwortlicher Selbsteinschätzung. Die Größe seiner Leistungen bemisst er danach, was ihm die religiöse Gemeinschaft "wert" ist und worauf er im privaten Bereich verzichten will und kann. Über ihren Bedarf und die Verwendung der Mittel berichtet die Gemeinde alljährlich.

Einen beträchtlichen Teil ihrer Einkünfte gibt jede Gemeinde an die Gesamtheit zur Verwendung für deren Aufgaben.