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17. August 2020

Im August

In einem bemerkenswerten Gedicht stellt der Dichter Gottfried Benn (1886 – 1956) den äußeren Eindrücken der spätsommerlichen Fülle eine fragende, suchende, sozusagen »winterliche« Innenwelt gegenüber. Sommer und Winter sind auch Seelenerfahrungen; Leben und Bewusstsein stehen sich gegenüber.

Johannes Roth

Einsamer nie –

Einsamer nie als im August:
Erfüllungsstunde – im Gelände
die roten und die goldenen Brände
doch wo ist deiner Gärten Lust?


Die Seen hell, die Himmel weich,
die Äcker rein und glänzen leise,
doch wo sind Sieg und Siegsbeweise
aus dem von dir vertretenen Reich?

Wo alles sich durch Glück beweist
und tauscht den Blick und tauscht die Ringe
im Weingeruch, im Rausch der Dinge –
dienst du dem Gegenglück, dem Geist.

Gottfried Benn (1886 – 1956)