Buchhinweise

Susanne Gödecke - Trauung

01.09.2020

Lebensweg zu zweit – ein frommer Wunsch?

Sukzessive erscheinen seit dem Frühjahr 2019 knapp gehaltene Einführungsbücher zu den sieben Sakramenten der 1922 gegründeten Christengemeinschaft. Das wird nun die «3. Generation» von Einführungsbüchern, denen die Reihen der in den 60er-Jahren von Kurt von Wistinghausen, der noch zum Kreis der Gründer gehörte, sowie die in den 80er-Jahren von Johannes Lenz verfassten vorangegangen waren. Um einer erkennbaren Vielfalt willen werden die zu erwartenden Bücher diesmal von unterschiedlichen Autoren geschrieben.

Es versteht sich, dass die Anknüpfung an die jeweiligen gesellschaftlichen Gegebenheiten und das Vermeiden einer «Insider-Sprache» unter Beibehaltung eines klaren inhaltlichen Profils mehr denn je die hauptsächliche Herausforderung darstellen. Konnten die Autoren der früheren Reihen noch auf das Vorhandensein einer kirchlichen Tradition, einer verbreiteten Kenntnis der Grundbegriffe und der Bibel setzen, die gleichwohl beim Verstehen von etwas gänzlich Andersartigem wie den erneuerten Sakramenten auch eine Erschwernis darstellen kann, so haben heutige Autoren stark mit Phänomenen wie (kirchenbezogenen) Bindungsängsten, Ablehnung von Institutionen, Privat- und Patchwork-Religion, um sich greifenden Agnostizismus und Relativismus sowie einer durch allfällige Skandale bedingten und sehr begreiflichen Kirchen-Skepsis zu rechnen.

Um so mehr ist zu bedauern, dass die Herausgeber sich entschieden haben, die frischen, prägnanten und weckenden Untertitel nicht auf dem Buchumschlag zu zeigen, hätten doch dadurch vermehrt solche Leser angesprochen werden können, die nicht speziell bei der Frage nach den Sakramenten ansetzen.

Wir wollen exemplarisch das im November 2019 erschienen Buch von Susanne Gödecke über die Trauung herausgreifen. Die Autorin ist Gemeinde-Pfarrerin in Berlin-Wilmersdorf und verfügt über beträchtliche volkspädagogische Fähigkeiten, wie sie jüngst in einem 45-minütigen Interview für «Thanatos TV» zum Thema «Leben nach dem Tod»[1] bewiesen hat.

In ihrer lebensnahen und immer konkreten Darstellung folgt sie der Gliederung des Trau-Sakraments, ohne dass freilich der Wortlaut abgedruckt werden müsste, was der grundsätzlichen Intention der Christengemeinschaft widerspräche: Alle Ebenen des Sakraments entfalten sich allein im lebendigen Vollzug, und eine Reduktion auf den «Text» bedeutete eine Verarmung, die der Sache schadete. Und doch können anhand der einzelnen Motive (Ehe-Entschluss, Lebens-Gemeinschaft, Ehe-Idee, Anthropologie von Mann und Frau …) die Themen und Fragestellungen einer zeitgemäß gelebten Ehe entwickelt werden. Wer heute eine Ehe durch das Sakrament in einen noch anderen Zusammenhang als den privaten und gesellschaftlichen stellen will, braucht eine klare Intention dafür:

«Wir können mit unserem Handeln im Hier und Jetzt ansetzen und darauf zielen, dass es bis ins Geistige gehoben und verwandelt werden kann …» (S. 14) «Wer weiß, wie sich durch das Versprechen, dass der Einzelne sich … vor Gott und den Menschen selbst gibt, auch das persönliche Schicksal durch den Zusammenschluss mit dem Lebensweg eines anderen ganz andere Wege sucht? Manchmal meint man fast zu greifen, wie durch das Ernstnehmen alles dessen, was jemandem durch den Partner zukommt, ihm anderes im Leben erspart bleibt oder Größeres zugemutet wird.» (S. 19) «Eine Zukunftstat bedeutet es, aus dieser inneren, zur Freiheit herangereiften Persönlichkeit den nächsten Schritt zur neuen Gemeinschaft zu wagen, die nur auf das Individuum gegründet ist. (…) Freiheit entsteht dabei für den Einzelnen insofern, als er sich nicht als Opfer der Umstände sieht.« (S. 39f)

Die Darstellung wird gerundet durch einen Abschnitt über allgemeine Fragen (Gleichgeschlechtliche Partnerschaft, silberne und goldene Hochzeit, Zärtlichkeit …) und die kurze Beschreibung einer Anzahl von relevanten Büchern, sowie wertvollen Tipps zur Eheberatung.

So eignen sich diese nur 85 Seiten ganz abgesehen von der Einführung in das Sakrament hervorragend als Orientierung zum Thema Partnerschaft und Ehe.

Johannes Roth (erscheint demnächst in der Zeitschrift »Die Drei«)

Susanne Gödecke: «Die Trauung. Lebensweg zu zweit – ein frommer Wunsch?» Verlag Urachhaus, Stuttgart 2019, 85 Seiten, € 12,--


[1]     https://thanatos.tv/susanne-goedecke-eine-pfarrerin-und-das-leben-nach-dem-tod/