Zur Festeszeit

O S T E R N - 4. April – 12. Mai

»Mit dem Tod hört das Leben nicht auf!« Dieser Gedanke liegt vielen heute nahe: Ein Dasein außerhalb des Körpers ist denkbar, ja von manchen bereits erlebt; es gibt eindrucksvolle Zeugnisse. Mag die Seele des Menschen den sterblichen Leib abgelegt haben, so kann, was unsterblich ist, in höheren Welten weiterleben.

Die Osterbotschaft lautet: Christ ist erstanden. Die Auferstehung des Jesus Christus nach dem Tod am Kreuz ist aber nicht ein ›Weiterleben‹ nach dem Tod. Entscheidend ist, dass nicht ein ›Unsterbliches‹ weiterlebt, sondern neues Leben geboren wird. So ist Ostern ein Geburtsfest, ein Fest der Neuschöpfung. Der auferstandene Jesus Christus wird geschaut in einem neuen, verwandelten Leib, der nicht mehr an die Gesetze der materiellen Welt gebunden, aber dennoch als sein menschlicher Leib zu erkennen ist.

Ostern hat nicht ein fixes Datum im Kalender; in diesem Jahr beginnt die 40-tägige Osterzeit am 4. April, und sie ist begleitet vom Aufleben der Natur: Angesichts grünender Sträucher und strahlend blühender Blumen fällt es nicht schwer, an ein neues Leben zu denken! Der Inhalt des Osterfestes (s.o.) zeigt jedoch, dass es kein Naturfest ist, sondern der Beginn einer neuen Schöpfung, die mit dem Menschen zusammenhängt. So feiern die Christen zur selben Zeit in Argentinien und Neuseeland Ostern, wo gerade der Sommer vorüber ist! Sie feiern es mit uns in der Freude, dass der Menschheit die Kraft einer neuen Schöpfung geschenkt wurde; in der Hoffnung, daran teilhaben zu können. – Über das berühmte Oster-Bild des Matthias Grünewald (Isenheimer Altar) schrieb Albrecht Haushofer[1]:

In tausend Bildern hab ich Ihn gesehn,
Als Weltenrichter, zornig und erhaben,
Als Dorngekrönten, als Madonnenknaben -
Doch keines wollte ganz in mir bestehn.

Jetzt fühl ich, dass nur Eines gültig ist:
Wie sich dem Meister Mathis Er gezeigt -
Doch nicht der Fahle, der zum Tod sich neigt,
Der Lichtumflossne: Dieser ist der Christ.


Nicht Menschenkunst allein hat so gemalt:
Dem Grabesdunkel schwerelos entschwebend,

Das Haupt mit goldnem Leuchten rings umwebend -


Von allen Farben geisterhaft umstrahlt,
Noch immer Wesen, dennoch grenzenlos,
Fährt Gottes Sohn empor zu Gottes Schoß.

 


[1]      Albrecht Haushofer (1903 – 1945), Moabiter Sonette, »Qui resurrexit«