Zur Vertiefung

23.06.2021

»[D]ass eigentlich das eine durch das andere erklärt wird …« [1]

Gehen Sie einmal diejenige geisteswissenschaftliche Literatur durch, die ich versucht habe zu schreiben, und prüfen Sie sie auf ihre Methode hin. Das ist eine Prüfung, die wahrscheinlich bis heute die wenigsten Menschen vollzogen haben, denn immer ist die Methode eingeschlagen, dass eigentlich das eine durch das andere erklärt wird, dass immer die Dinge aufeinander hinweisen. Und ein wirkliches Geistesverständnis kann man auf gar keine andere Weise hervorrufen, als dass ein Ding immer auf anderes hinweist.


[1]     Rudolf Steiner, GA 190, 28. März 1919

An dieser Stelle werden Wortlaute eingestellt, die zur Vertiefung, d.h. zum inneren Durcharbeiten, Nachschaffen und Durchleben gedacht sind. Man lese einen solchen Wortlaut, schreibe ihn sich ggf. an geeigneter Stelle schön ab, und bewege ihn in der angedeuteten Weise in sich. – Rudolf Steiner wies 1916 darauf hin, dass »[G]erade dasjenige, was sorgfältig aufgenommen wird und auf das Ich wirkt, vom Ich aus ins Gedächtnis geprägt wird, gerade das wirkt sogar weniger, als was flüchtig als Zeitungssache aufgenommen wird.« So scheint es gerade in Zeiten der Informationsflut besonders geraten, sich in einzelne gleiche Inhalte immer wieder und wieder bewusst zu vertiefen, um auch das unterbewusste Seelenleben damit zu nähren – und der »Alleinherrschaft des Flüchtigen« darin entgegen zu wirken.

Johannes Roth