Aktuelles


Liebe Mitglieder und andere Freunde!                                         Nürnberg, Karmontag 2020

Auf Erden erleben wir gerade eine Epoche großer Verunsicherung.
Über uns wölbte sich an den meisten Tagen ein klarer, hoher, weiter, offen blauer Himmel. Die Menschenseele,
die sich darauf einlässt, kann bemerken, dass auch sie über ihre Begrenzungen hinauswachsen
möchte; ja, dass dieser hohe, klare Himmel uns auch Verstorbene nahe sein lässt, die ja ihre Begrenzungen
zum Teil hinter sich gelassen, überwunden haben. Es kann eine merkwürdige Umkehrung im Empfinden
eintreten. Der Mensch beginnt zu erleben: Die sogenannten Toten — leben sie nicht viel eigentlicher
und wirklicher als die im irdischen Leibe Lebenden, gebunden an die engen Grenzen der Persönlichkeit,
so verhaftet dem Mein und Mir. Letzteres ist die nötige Grundlage und dankenswerte Voraussetzung.
Die Sehnsucht gilt Höherem und Weiterem.
Der klare, blaue, offene Himmel, die Nähe zu den Verstorbenen und Sterbenden entbindet womöglich ein
gesteigertes Lebensgefühl und Wirklichkeitsempfinden. Alle Todesfurcht kommt wohl vom Verhaftetsein
dem Mir und Mich! Dieses ahnend durchdringend — „Dann überwand Er den Tod nach dreien Tagen“ —
erlebt man sein eigenes Wesen wirklicher, individueller und universeller. Individueller, das heißt einzigartiger.
Universeller, das heißt ganzheitlicher, umfassender. So kann die Nähe zu den sogenannten Toten
und dem Sterben erfahren werden als Weg zu einem wirklicheren Leben, zu einer größeren Klarheit und
Offenheit, als Weg zu einem Leben und Weben und Sein im auferstehenden Christus.
In diesen Zeiten können wir uns nicht gemeinsam physisch um den Altar versammeln. Umso mehr können
wir uns geistig anschließen, was ja für die Verstorbenen auch gilt.
Die Menschen-Weihehandlung wird von Karfreitag bis Ostermontag als „stille Handlung“ (ohne physisch
anwesende Gemeinde) um 10 Uhr celebriert, ab dann wie bisher sonntags und feiertags um 10, an allen
anderen Tagen um 9 Uhr. Sobald zulässig wird die Weihehandlung mit den vorgeschriebenen Bedingungen
wieder physisch zu besuchen sein.
Mit den besten Wünschen, auch im Namen meiner Kollegen.
Christus ist der täglich Auferstehende.
Franz Pollmann


Sieghafter Geist
Durchflamme die Ohnmacht
Zaghafter Seelen.
Verbrenne die Ichsucht,
Entzünde das Mitleid,
Dass Selbstlosigkeit,
Der Lebensstrom der Menschheit,
Wallt als Quelle
Der Geistigen Wiedergeburt.
— Rudolf Steiner, 20. September 1919