7. Juli 1927 – 4. Januar 2025
Ein Nachruf
Am vergangenen Sonntag ist Arnold Suckau 98-jährig in Bonn verstorben.
Er empfing 1949 als ganz junger Mann die Priesterweihe durch Emil Bock und hat somit über 75 Jahre in diesem Amt gewirkt. Und dies ist tatsächlich wörtlich zu nehmen, denn wenn er auch in den letzten Jahren altersbedingt immer eingeschränkter war, so nahm er doch bis zuletzt lebhaft Anteil, suchte das Gespräch mit Kollegen, Kolleginnen und Gemeindemitgliedern, war offen und interessiert. Wandte man sich mit einer fachlichen Frage an ihn, konnte man jederzeit einer raschen und überaus kompetenten Antwort gewiss sein – in der Regel sogleich aus dem Gedächtnis, in seltenen Fällen musste er erst einmal nachschlagen.
Arnold Suckau gehörte zu den bedeutenden Theologen in der Christengemeinschaft. Seine Ausführungen (z.B. zu den Weltreligionen oder zur Reformation) waren einladend und verständlich, im Tonfall stets achtsam gehalten; es hätte jederzeit z.B. ein Muslim dabei sitzen können – und hätte seine Religion wertschätzend charakterisiert gefunden. Außerdem sprach er gedanklich klar, warm, humorvoll und aus eigenen Ideen heraus.
Seine Bescheidenheit ist wohl am deutlichsten dadurch charakterisiert, dass er trotz seines enormen Wissens nur ein einziges Mal als Autor hervortrat, indem er nämlich 1974 die rund 40 Jahre zuvor erschienene Studie von Adolf Müller mit dem Titel „Werdestufen des christlichen Bekenntnisses“ überarbeitet herausgab. Dieses Buch ist längst vergriffen, antiquarisch aber in etlichen Exemplaren erhältlich – eine sehr lohnende Lektüre!
Arnold Suckau war auch maßgeblich an der 2007 erschienenen Verlautbarung „Grundlagen einer Theologie in der Christengemeinschaft“ beteiligt.
Zu seinem 75. Weihetag gab es in der Christengemeinschaft in Bonn, wo er jahrzehntelang gewirkt hat, ein Fest, bei dem er – stehend und frei sprechend – noch einmal Wesentliches aus seinem Werdegang mitgeteilt hat.
Arnold Suckau wurde schon vor Jahren zum Erzpriester ernannt.
Nun ist er am vorletzten Tag der Weihnachtszeit über die Todesschwelle gegangen.
Der 4. Januar ist traditionell einem der Magier aus dem Osten gewidmet: Balthasar, der mit dem Weihrauch in Verbindung gebracht wird, der wiederum besonders die Kräfte der Andacht und Verehrung repräsentiert. Auch wenn es nicht gut ist, derlei Dinge allzu sehr mit Bedeutung zu überladen, fällt es nicht schwer, diesen Sterbetag als sehr passend für ihn zu empfinden. –



