Mein liebstes Wort – DU
Oder: Was heißt hier Gespräch?
»Der Mensch wird am Du zum Ich.« Sagt Martin Buber.
»Das Ich setzt sich selbst, und es ist, vermöge dieses bloßen
Setzens durch sich selbst…«, sagt Johann Gottlieb Fichte.
»Was ist herrlicher als Gold?« fragte der König. »Das Licht«,
antwortete die Schlange. »Was ist erquicklicher als Licht?«
fragte jener. »Das Gespräch«, sagt die Schlange im Märchen
von Goethe.
Das Gespräch ist erquicklicher als Licht, welches herrlicher
als Gold ist? Was für eine rätselhafte Steigerung größter
Kostbarkeiten des Daseins wird hier gebildet!
Haben wir eigene Erfahrungen damit? Kennen wir Gold, Licht
und Gespräch in diesen Qualitäten? Gibt es Bedingungen
oder Voraussetzungen für ein solches Gespräch? Oder ist
jedes Gespräch so? Ein Barbier in Wien schreibt an sein
Schaufenster: Manchmal geht man besser zum Friseur als
zum Psychologen… Meint er womöglich das Gleiche?
Wir kennen wohl auch das Gegenteil. Ein Gespräch kann
ermüden, anstrengen, zermürben, zerstören – auch beim
Friseur oder Psychologen. Und viele würden heute auf die
Frage nach dem eigenen Lieblingswort bestimmt nicht mit DU
antworten.
Doch kann uns geradezu das Herz aufgehen wenn wir die
Zitate von Ausländer, Buber, Fichte und Goethe lesen. Eine
Sehnsucht steigt in uns auf nach Lösung und Einigung, nach
Verstehen und Verstanden-Werden, nach Wärme und
Verbundenheit. Auch wenn wir diese Qualitäten manchmal
lange und schmerzlich entbehren, innerlich kennen wir sie!
In den Versuchen die Rätsel des Ich-Werdens und des Du-
Erkennens zu lösen – mit all ihren Höhen und Abgründen,
ihrer Finsternis und ihrem Licht –, ringen wir womöglich mit
größten Fragen nach dem Sinn unseres Hierseins.
Werkstatttreffen 2026
