Als Vorbotin einer neuen Zeit denkt Hannah Arendt (1905-1975) ihr Leben lang „ohne Geländer“, ohne das Festhalten an einer Ideologie, ganz eigenständig und immer wieder neu. Ihr Leben gibt viel Anlass zu Reflexion — weniger durch das Studium und die akademische Tätigkeit als durch das Erleben ihrer Zeit und die Fragen, die sich dabei aufdrängen.
Zugehörigkeit und Ausgegrenztsein, Nation und Staatenlosigkeit, Krieg und Frieden, der Ursprung des Bösen und die Motive des Handelns im seinem Angesicht – das alles hat sie bewegt. Und dabei bildete sich so etwas wie ihre eigene „Schule“ des Denkens: Erstmal selbst beobachten und vorurteilsfrei denken, dann hören, was andere noch beitragen können zum Gesamtbild der lebendig wechselnden Wahrheit.
I. Wellershoff-Schuur