Singwochenende, Erweiterte Tonalität

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„Vielleicht wird man die Skala erweitern müssen, einige Töne einfügen, aber hauptsächlich dadurch bereichern, dass man den einzelnen Toncharakter erleben wird.“ Diese Anregung zur Weiterentwick­lung der Kultusmusik hat Rudolf Steiner im Juni 1921 den Priestern mit auf den Weg gegeben. Was kann damit gemeint sein?

Vor gut 100 Jahren hat Arnold Schönberg das durmolltonale System aufgebrochen, und Generationen von Komponisten haben seitdem bestehende musikalische Strukturen hinterfragt und verworfen und neue Strukturen entwickelt. Etwa zur selben Zeit vermaß die Musikethnologin Kathleen Schlesinger einen griechischen Aulos, ein oboenähnliches Instrument aus der Antike. Sie fand dabei Intervalle, die neben dem durmolltonalen System in der Volksmusik verschiedener Länder ein Eigenleben geführt haben. Sie sind durch ihre andere Intonation farbenprächtiger als die Intervalle der gebräuchlichen Dur- und Molltonleitern. Rudolf Steiner bezeichnete die Intervalle als „konkreter ausgefüllt“, und kommentierte Schlesingers Bestre­bungen so: „Und dann wird man gerade, meine ich, auf diesem Wege wiederum einen Anschluss finden an gewisse Elemente dessen, was ich Urmusik nennen möchte, und von dem ich ja in den Entdeckungen der Moden der Miss Schlesinger tatsächlich sehr Wichtiges zu erkennen glaube.“ (GA 303, Fragenbeantwortung am 5. Januar 1922). Heiner Ruland, der Musiktherapeut aus Öschel­bronn, hat sich forschend intensiv mit den Schlesinger-Skalen auseinandergesetzt und einen Weg gefunden, wie diese farbenprächtigen Inter­valle mit den Tonarten des Quintenzirkels ver­schmelzen und dabei tatsächlich eine Bereicherung der abendländischen Kunstmusik, aber auch der Kultusmusik der Christengemeinschaft sein können.

Claudia Nicolai arbeitet als Chorleiterin in der Akademie für Tonkunst Darmstadt, musiziert in der dortigen Gemeinde und ist Mitglied im Vorbereiter­kreis der internationalen Musikertagung der Christengemeinschaft.

Am 10.10. wird es um 19:30 Uhr eine Musikerkundung geben. Mit den Sänger:innen können alle interessierten Gemeindemitglieder die erweiterten Intervalle in ihrer Charakteristik erspüren. Das Singwochenende ist offen für interessierte Sänger:innen, sollte aber komplett besucht werden. Am Sonntag wird eine Musik in erweiterter Tonalität im Kultus erklingen.

Singwochenende:

Freitag, 9.10.:
Beginn 17 Uhr
Abendessenspause 18.15 Uhr

Samstag, 10.10.:
Beginn 10 Uhr
Mittagspause 13 bis 15.30 Uhr
Abendessenspause um 18.30 Uhr

Danach Musikerkundung für die
Gemeinde und die Teilnehmer

Sonntag 11.10.: Einsingen 9 Uhr
Menschenweihehandlung, 10 Uhr

Die Mahlzeiten können in Gemeinschaft stattfinden – dafür bitte Beiträge zum Buffet mitbringen. Der Kostenbeitrag zum Seminar ist eine Spende nach individueller Einschätzung.

Anmeldung bitte an Ulrike Flieger, Tel. 04221-74438, e-mail: