Vorgetragen von Johanna Wolf
Gilgamesch, der mächtige König von Uruk (von ihm wird erzählt, dass seine geistige Größe sich in seiner physischen Gestalt von 5 Metern Höhe widerspiegelte) findet in Enkidu, einem geheimnisvollen Mann aus der Steppe, den Freund. Gemeinsam gelingen ihnen bedeutende Heldentaten. Aber Enkidu muss nach dem Ratschluss der Götter sterben.
Gilgamesch kann den Tod seines Freundes nicht verwinden. Todesfurcht ergreift von ihm Besitz. Er macht sich, selbst zum Sohn der Steppe werdend, auf den Weg aus der Welt »zum großen Wasser«. Hinter diesem wohnt Utnapischtim, der Ahnherr der Menschheit, der das Wissen von Leben und Tod hütet. Bei ihm will er den Schlüssel zur Ewigkeit finden, das Rätsel des Todes ergründen.
Das erst im letzten Drittel des letzten Jahrhunderts entdeckte, als »ältestes Epos der Welt« eingestufte Werk fand sich in Form von 12 Keilschrift-Tontafeln, die nicht vollständig und teils unleserlich waren. Die Entzifferung und Übertragung in heutige Sprachen schuf ein For-schungsfeld, das bis heute andauert. Vielfältig sind die Übersetzungs- und Nachdichtungs-versuche. Der wohl komprimierteste stammt aus der Feder von Hella Krause-Zimmer. In freien Rhythmen, unter Verwendung der Stilmittel von Stabreim und Assonanz, hat sie ein geniales Konzentrat der Handlung von archaischer Wirkung geschaffen. In 12 Szenen (in Anlehnung an die 12 Tontafeln) entwickelt sich die bewegende Handlung im Wechsel von Erzählung und dramatischem Geschehen.