Überzähliges Dasein entspringt mir im Herzen

Die Duineser Elegien von Rainer Maria Rilke

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Standort
Gemeindehaus
Morgensternweg 1
64285 Darmstadt
Überzähliges Dasein entspringt mir im Herzen
Foto: Maria Daleija

Wort-Eurythmie-Klang-Gesang-Performance

Diana-Maria Sagvosdkina: Eurythmie, Sprache
Lena Sutor-Wernich: Gesang, Sprache
Marco Bindelli: Klavier, Oboe, Sprache

„…mehr Zukunft als Gegenwart“, so urteilte Peter Demetz über die Duineser Elegien (oder über Rilkes Lyrik?). In der Tat gehört dieser Zyklus in seiner Rätselhaftigkeit und Bildgewalt wohl zum Anspruchsvollsten und Zukunftsweisendsten, was moderne Lyrik zu bieten hat. Rainer Maria Rilke schrieb über zehn Jahre an diesen Elegien, mit einer achtjährigen für ihn quälenden Schaffenspause, auch durch die Erschütterungen des Ersten Weltkrieges bedingt. Es war für ihn sein wichtigstes Werk, in das er alles, was er als Quintessenz zum Leben zu sagen hatte, hineingeheimnist hat. Die Engel, die Toten, die Liebenden, die Liebe, die Helden, Mutter, Vater, Vorfahren, Künstler, Tiere, das Leid und die Rühmung sind die wichtigsten Themen. Die Elegien sind Klagegesänge und Preisungen/Rühmungen in einem und entfalten gerade in dieser Paradoxie ihren künstlerischen Reiz. Vielen Menschen bleibt dieser Zyklus aber gerade durch seinen Griff in die Zukunft eher fremd oder verschlossen.

Hier setzt unser Projekt an: Durch unsere über acht Jahre währende Beschäftigung mit den Elegien haben wir den Eindruck gewonnen, dass wir durch andere Kunstformen und durch einen improvisatorischen Zugang zu den Elegien einiges an tieferem Verständnis für die Chiffren des Werkes eröffnen können. Wir nähern uns den Elegien durch Sprache, Eurythmie/BewegungsChiffren, Gesang und Musik, Gespräch und Stille. Durch die musikalischen Improvisationen erhält jeder Abend eine einzigartige Ausgestaltung.
Diese Improvisationen werden vom Publikum durch das Zuhören und Zusehen künstlerisch mitbeeinflusst.

Unser bisheriges Programm war ein Abend, an dem wir ein Thema Herz durch die Elegien verfolgt haben und diese in Auszügen zu Gehör kamen. Einen Abend haben wir auch dem Thema Engel gewidmet. Nun wollen die Elegien als ganze in den Blick nehmen.

An diesem Abend werden die 1. und 2. sowie die 9. Elegie vollständig in Erscheinung treten.
Die einzelnen Elegien sind sehr verschieden vom Inhalt her, d. h. schon dadurch werden die Abende eine jeweils eigene Signatur erhalten.

Die Mittel werden noch durch Klanginstrumente und Kompositionen von Marco Bindelli erweitert werden, sodass Kompositionen und Improvisationen sich abwechseln werden.
Zu Sprache und Gesang können schauspielerische Elemente hinzutreten. Die Eurythmie und BewegungsChiffren werden mal begleitend, mal Umkreis bildend, mal stumm die Elegien und die Musik aufgreifen und umsetzen. Jedem Abend wird eine interaktive Einleitung mit dem Publikum vorangestellt, damit dieses sich an dem Prozess beteiligen und tiefer in die Elegien einsteigen kann.

Da zwei Jubiläen anstehen, im Jahr 2025 der 150. Geburtstag und 2026 der 100. Todestag, scheint uns dies ein guter Zeitpunkt zu sein, um diese Abende anzubieten. 

Rainer Maria Rilke, Die Duineser Elegien