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Tübingen, den 20.12.2023

Liebe Gemeinde,
Eine innige Sehnsucht jedes Menschen dürfte der Wunsch nach Frieden sein. In vielen Kulturkreisen begrüßt man sich daher mit Worten wie „Salam“ (arabisch) oder „Schalom“ (hebräisch). In manchen Ländern spricht man noch heute den Friedensgruß, wenn man bei einem Besuch über die Schwelle des Hauses tritt: „Friede sei in diesem Hause“. 

Das Weihnachtsfest wird als das Fest des Friedens und der Liebe empfunden, auch von vielen Menschen, die sich nicht zu einer Religion zugehörig fühlen. Es ist ein Fest des Zusammenseins, Wohlgefühls, des Vertragens und Ertragens, eines Neuanfangs. Im Hinblick auf den Frieden im Neuen Jahr nehmen wir uns oftmals etwas vor, sei es in Bezug auf die sozialen Verhältnisse oder auf uns selbst, um die eigene Seele zur aktiven Ruhe und zum Frieden zu bringen. 

Woher kommt der eigentliche Friede? Wo ist sein Urquell? Im Neuen Testament erfahren wir an vielen Stellen vom Quell des Friedens. Im Johannesevangelium wird geschildert, wie der Auferstandene am Abend des Ostersonntags den Jüngern erscheint und sagt: 

„Friede sei mit euch“ (Joh. 20,19).

Rudolf Frieling gibt uns in seinen Aufsätzen hilfreiche Hinweise für das Verständnis des Friedens, der von Christus ausgeht.
Das ist kein Gruß von Gleich zu Gleich, den die anderen brüderlich erwidern, sondern das von oben nach unten strömende Segnen eines Höheren. An einer anderen Stelle spricht Christus: „Bleibet in Meiner Liebe“ (15,9). Diese Betonung des „mein“ findet sich öfter bei Johannes, z.B. „Mein Friede“, „Meine Freude“. Es liegt dies darin, dass etwas ganz und gar mit dem „Ich“ des Christus in Zusammenhang steht. Das betonte „Mein“ entspricht dem „Ich Bin“. So ist „Mein Friede“ eben der Friede, der nicht von außen, von der Welt her zu erwarten ist, sondern der sich aus dem Ich des Christus von Innen her schenkt. Das hat mit irgendwelchem „Egoismus“ nichts zu tun, sondern in der Art, wie das Ich Christi sich darlebt, liegt gerade die völlige Überwindung des Egoismus. Das Ich schließt sich nicht selbstisch in sich ab, sondern macht sich – gerade in all seiner souveränen Freiheit – zur Gralesschale der göttlichen Liebe. Gerade weil diese Agape (geistige Liebe) aus dem Ich-Bin hervorgeht, will sie von den Jüngern in der Sphäre des bewussten, aktiven Ich entgegengenommen werden. 

In diesem Sinne erfahren wir, dass der Urquell des Friedens im „Ich Bin“, im Innersten zu finden und zu erleben ist. Erst wenn jeder Mensch in sich diesen Quell erschließt, kann der Friede auf Erden, „Gloria in excelsis“, segensvoll wirken. „Der Herr – Kraft geben wird er seinem Volk. Der Herr – segnen wird er sein Volk mit Frieden“ (Psalm 29). Es ist die Gnade der Weihnacht, dass wir die Kraft vom Herrn empfangen, um den Quell des Friedens und der Liebe in unserem Innersten erschließen zu können. Aus der Weihnachtszeit können wir diese Kraft schöpfen. Was Christus seinen Jüngern aus seinem „Ich Bin“ schenkt, schenkt er auch heute und in der Zukunft allen, die „eines guten Willens sind“. Empfangen wir dieses Geschenk, so kann es auch durch uns in die Welt getragen und anderen geschenkt werden: 

„Friede sei mit euch!“


Es grüßen Sie sehr herzlich,
Heike Strobl und Richard Dzidzaria