Mitteilungen

Tübingen, 25. November 2022

Liebe Gemeinde,
Mit Advent verbindet man das gemütliche Zusammensein bei Kerzen und nettem Gespräch.
Es ist eine Zeit zum Besinnen und zur Ruhe kommen, um vorbereitet Weihnachten zu empfangen und
zu feiern. Vom Altar wird aber nichts „Gemütliches“ durch die Evangelien verkündet. Im Gegenteil,
es geht da um dramatische Ereignisse und die Gefahr durch das Gemütlichsein geistig einzuschlafen
und das Wesentliche zu verpassen. Das Lukasevangelium 21 berichtet von den apokalyptischen
Untergängen der Zukunft, von Christus vorausgeschaut und den Jüngern mitgeteilt. In diesen
Untergangsbildern erscheinen ihm die Bilder größerer Untergänge, die Erde und Menschheit
umfassen. Um welche Untergänge handelt es sich? Es geht wohl um das Vergehen des Bestehenden
und die Entstehung von Neuem. „Apokalypse“ heißt ja nicht „Katastrophe“, „Untergang“, wie der
heutige Sprachgebrauch nahelegt; es heißt vielmehr „Enthüllung eines Verborgenen“, „Offenbarung“,
und meint das Erscheinen der göttlichen Welt aus und in den Untergängen. Daher kann die gemütliche
Zusammenkunft ein Verbleiben im Alten bedeuten. Das neue Gemüt möchte aber herangebildet
werden, in dem das „Zukunftswort“ ein „Werde“ spricht und in dem Gottes Werden sich birgt.
Noch vor Kurzem meinten wir, wir hätten das Alte wie z.B. den Nationalismus, die politische
Machtgier, die „Grenzmauern“ überwunden, zumindest in Europa. Erst vor zehn Jahren erhielt die
Europäische Union am 10.12.2012 den Friedensnobelpreis – eine Anerkennung für viele Jahrzehnte
Frieden, Versöhnung und Demokratie. In diesem Jahr können wir nicht mehr vom Frieden in Europa
sprechen. Es ist erschütternd, dass in unserem Nachbarland Ukraine täglich Menschen sterben und
leiden. Und noch schlimmer, wir wissen nicht, wann dieser Krieg ein Ende haben wird. Wir leben in
einer konkreten Untergangsstimmung, in einem Gefühl der Ohnmacht, nicht zu vermögen diesen
Krieg - und alle anderen Kriege auf der Erde - friedlich zu beenden.
Und wir sprechen von Advent und dem Gemütlichsein … Man bekommt viele Fragen. Haben
wir etwas in der Vergangenheit verpasst, dass wir so weit zurückgeworfen wurden? Waren die letzten
Jahrzehnte „gemütliche Jahre“ im Überfluss? Haben wir vielleicht nicht intensiv genug gebetet? Es
mag pathetisch klingen, ist aber sachlich gemeint. Jeder tut, was er kann.
Zusammen sind wir aber eine viel größere Kraft. Beten wir auch in der großen Gemeinschaft, so ist es unser größerer
Friedensbeitrag. Wir schauen nach Osten, dorthin, wo gerade dieses Kriegsunheil geschieht und bitten
den Christus unser Opfer, unsere guten Seelenkräfte in Sein Opfer aufzunehmen. Am Ende der
Weihehandlung empfangen wir vom Osten her den Frieden, „Meinen Frieden gebe ich euch. Ich gebe
ihn euch nicht, wie ihn die Welt gibt. Nicht schwach soll werden euer Herz und nicht furchtsam.“
(Joh. 14,27).
Mit dem vorliegenden Programm versuchen wir im kulturellen und spirituellen Sinne unseren
„Gemüts-Frieden“ zu bilden. Es ist wieder dank vieler Menschen ein buntes Programm, wofür wir
allen Mittätigen sehr dankbar sind.


Seit der Begründung der Christengemeinschaft 1922 wurden und werden in Tübingen die
Menschenweihehandlung und andere kultischen Handlungen gefeiert. Es entstand eine Initiative unter
den Mitgliedern diese 100-jährige Geschichte mit einem schönen Programm zu feiern.
Und noch eine Initiative sei erwähnt:
Frage an alle interessierten Menschen mit Ausblick auf das Jahr 2023:
Haben Sie Interesse an einem Lesekreis – wöchentlich, einmal im Monat oder an weiteren
Seminarwochenenden wie mit Herrn Wohlfeil zum Thema:
„Die Heilkräfte des religiösen Lebens und die Erneuerung des sozialen Organismus / Wie werden wir
den drängenden sozialen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts gerecht? “
So sprechen Sie uns gerne an, direkt, per mail oder telefonisch - Pf. Heike Strobl, Pf. R. Dzidzaria,
Margarita N.-Wagner


Es grüßen Sie sehr herzlich
Heike Strobl und Richard Dzidzaria