Wenn der Mensch mit einem Ton in Beziehung tritt, beginnt sein Gesamtorganismus sich neu zu orientieren. Ein Phänomen, das wir besonders in der Musik Arvo Pärt`s erleben.
Anhand der Komposition „Silouans song“ von 1991 wollen wir uns diesen Beziehungsvorgang zwischen Leib und Bewusstsein in Form eines Zwiegespräches zwischen Musik und Publikum zur Erfahrung bringen.
„Der unendliche Raum ist nur Bewusstsein“! – so Rudolf Steiner 1906, „und es tritt dann (im
Menschen) das Bewusstsein dem durch es selbst zum Ausdruck Gekommenen gegenüber“. Jeder von uns bildet auch einen eigenen Klang-Organismus. Und sobald wir eine Inspiration haben vom anderen Menschen, nicht nur eine gegenständliche Wahrnehmung von ihm, erfassen wir etwas von diesem Klang-Organismus, der er ist.
Johannes Brahms hat offensichtlich diese Inspirations-Kunst beherrscht; zumindest bringt der Hamburger in seinem Streichquartett a-Moll op. 51 von 1873 mit diesem Werk die seelisch-geistige Konfiguration seines hochgeehrten Freundes Joseph Joachim aus Hannover uns in genialer Weise näher. Auch dazu werden im zweiten Teil des Abends – nach einem kleinen Imbiss – einzelne musikalische Passagen zusammen mit dem Publikum erarbeitet, bevor dann beide Werke auchzusammenhängend erklingen sollen. Bewusstsein ist Beziehung, und die ist so vielschichtig, dass sie nicht nur über unseren Intellekt zu erfassen ist. Doch je mehr wir mit Bewusstsein in eine Beziehung zu etwas oder zu jemandem treten, je deutlicher vollzieht sich unser eigener Prozess der Mensch-Werdung.
Das MUSICON-STREICHQUARTETT mit Kurt Eschmann, Berthold Seifert, Konstantin Barth und Johannes Eschmann ist bereits im vergangenen März zu Rudolf Steiners 100. Todestag bei uns zu Gast gewesen. Kurt Eschmann arbeitet gegenwärtig an einer Studie zur Frage der Beziehungs-Gestaltung. Ausgangspunkt dazu ist das 1918 von Steiner entdeckte sog. zweite Sozialgesetz: das Soziale Urphänomen. Mit der eher archaischen Musik des estnischen Komponisten Arvo Pärt und dem Romantiker Johannes Brahms bietet das Quartett eine große Polarität für unser seelisches Erleben.
Eintritt frei, Spenden erbeten.