Der Reiter auf dem schwarzen Pferd

Der Reiter auf dem schwarzen Pferd
Foto: Wikipedia Wasnetsov

Offenbarung 19

PREDIGT DER WOCHE

Der Wunsch, nach einem anstrengenden, bewegten Leben endlich zur Ruhe zu kommen, ist so alt wie die Menschheit. Am deutlichsten erlebt man das auf unseren Friedhöfen, wo immer wieder in Stein gemeißelt steht: „Ruhe in Frieden“ oder: „Hier ruht….“

Als ob alles vorbei wäre: keine Sorgen, kein Kummer, keine Tränen mehr.

Ist das wirklich so einfach? Oder eher eine Illusion?

Rudolf Steiner lief einst mit einem Freund über einen Friedhof. Beim Lesen der sich stets wiederholenden Worte auf den Grabsteinen meinte Steiner lapidar: „Erstens ist er nicht hier, und  zweitens ruht er nicht.“

Mit anderen Worten: Gestorbene haben offensichtlich ein ganz anderes Leben, als wir es uns vorstellen oder wünschen.

Die Offenbarung des Johannes – das letzte Buch der Bibel – kann uns helfen, die ernüchternde Realität der geistigen Welt kennenzulernen. Statt gemütlicher Ruhe oder einer Ewigkeit im Paradies stehen wir vor einer Welt voll Bedrängnis und Streit – genau wie die Welt, die wir hier kennen und lieber nicht sehen möchten.

In der Lesung dieser Tage ist das Wort des weißen Reiters wie ein Schwert, das die Menschheit trifft und eine Trennung bewirkt. Mit dem eisernen Stab regiert Er als Hirte und Kämpfer zugleich. Denn Christus ist mehr als nur der sanftmütige Schafhirt, den die Tradition so gern darstellt. Er ist der Hirte, der uns alle dahin leitet, dass wir endgültig vor uns selbst stehen – und vor den Folgen unserer Taten.

Wir sollen uns durch die Sprüche falscher Propheten nicht täuschen lassen, die uns mit ihren Versprechungen eines irdischen Paradieses oder des ewigen Friedens einlullen wollen.

Christus der Hirte will uns wecken. Aufwachen sollen wir für Den, der die Ernte der Erde einsammeln wird. Wir – die Menschheit – wir sind die Ernte. Die Ernte fällt nur Ihm zu.

Verfasst von Bastiaan Baan, Priester

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