Die Christengemeinschaft
Stuttgart-Nord

Betrachtungen

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Betrachtung zum 1. Epiphaniassonntag


Wenn kleine Kinder am Morgen aufwachen, erleben sie den Tag ganz neu und frisch. Was gestern an Schwierigkeiten und Auseinandersetzungen war, ist verschwunden. Ganz frei und unbedarft gehen sie in den Tag hinein und können oft gar nicht nachvollziehen, wenn Erwachsene ihnen abweisend entgegentreten und meinen, „Was du gestern gesagt hast, hat mir wehgetan.“

Gestern? Heute ist heute! Das Gestrige hat die Nacht geklärt – so empfinden es die kleinen Kinder. Auch dass sie gestern geärgert wurden oder miteinander gestritten haben, spielt keine Rolle – Das Gestrige hat die Nacht geklärt.

Wir Erwachsene tragen die Erlebnisse der Vortage mit und integrieren sie in das Jetzt. Aber etwas von der kindlichen Frische würde keinem von uns schaden. Die Nacht klärt wirklich einiges. Nicht alles, aber vieles.

Wer es also heute schafft, seinen Mitmenschen eben nicht aus dem Verletzt-, Beleidigt- oder Genervt-Sein des Vortags zu begegnen, der trägt Heilendes in die Welt.

Das heißt nicht, wir müssten so tun, als wäre nichts geschehen; sondern einfach ehrlich dem Menschen begegnen – wie die Kinder.

So entsteht die Heilung: Der eine trägt nichts nach und kann dadurch
in der Welt frei und ohne Ballast wirken – denn das Nachtragen ist eine Last!
Der andere erlebt die verzeihende, loslassende Wärme des Gegenübers und
kann so auch in der Welt befreit wirken.

Gerade an dieser Stelle ist es gesund, wieder Kind zu werden – ohne zu vergessen, dass wir Erwachsene sind.

Xenia Medvedeva
Priester in der Christengemeinschaft


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