Die Christengemeinschaft
Stuttgart-Nord

Betrachtungen

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Betrachtung zum 9. Sonntag auf Michaeli zu


„Ich schaue in die Welt…“

Mit diesen Worten des Morgenspruches beginnt ab der 5. Klasse der
Unterricht an den Waldorfschulen. Und mit genau derselben Tätigkeit
beginnt für jeden von uns der Tag nach dem Aufwachen.

Das gilt auch für diejenigen, deren Augen das äußere Licht nicht
wahrnehmen können. Denn beim Schauen geht es nicht um das sinnliche
Sehen. Vielmehr geht es darum, dass wir als Menschen lernen, das
Wesentliche zu erkennen – dasjenige, was unserem „sehenden“ Auge oft
verborgen bleibt.

Vielleicht hatten wir mit jemandem eine Begegnung, haben uns mit
ihm unterhalten, womöglich Tee getrunken oder einen Spaziergang
gemacht. Und haben dabei völlig „übersehen“, wie es ihm wirklich geht.
Wenn uns solches passiert, dann wohl nicht, weil wir böse Menschen
wären, sondern weil unser „Auge“ bei dieser Begegnung auf etwas
anderes gerichtet war.

Sehen können wir normalerweise von Natur aus. Aber in die Welt zu
schauen, – so zu schauen, dass wir nicht nur unsere Sinnesorgane
benutzen, sondern auch die anderen Augen – das will erst einmal gelernt
und geübt sein. Denn erst das ermöglicht uns, das Wesentliche zu sehen.
Solche „anderen Augen“ nennt Saint‐Exupery das HERZ.

Xenia Medvedeva
Priester in der Christengemeinschaft


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