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Betrachtung zum 1. Sonntag auf Johanni zu
Über die Pfingsttage fand in Heidelberg eine Weltweite Jugendtagung der
Christengemeinschaft statt. Die Teilnehmer – fast 300Jugendliche – kamen aus den
verschiedensten Ländern, von Japan bis zu den USA.
Bei der Ankunft am Freitag kannten manche gar niemand, während andere schon
viele Bekannten hatten. Aber jeder kam mit gespannter Stimmung: Wen werde ich
hier treffen?
Die Tagung hieß „Menschsein. Finding the courage to be human.“
Am Dienstag fuhr jeder mit erfülltem Herzen, neuen Impulsen und Ideen, neuen
Freundschaften zurück. Das lag nicht nur daran, dass man fünf Tage zusammen
verbracht hatte, sondern vor allem daran, dass in diesen Tagen echte menschliche
Begegnungen möglich wurden.
So lief am Ende der Tagung jeder an jedem vorbei, und ohne ein Wort zu sagen,
schaute man sich eine Sekunde lang in die Augen. Das war der Abschied voneinander.
Eine Teilnehmerin beschrieb ihre Erfahrung so:
Als ich jedem Menschen in die Augen geschaut habe, hatte ich das Gefühl:
Ich habe den Menschen gesehen, jeden einzelnen Menschen,
und in jedem Einzelnen DEN Menschen.
Das schreibe ich hier nicht als Bericht von der Tagung, sondern um Sie alle,
liebe Betrachtung‐Lesende, dazu anzuregen, immer wieder in die Augen des anderen
zu schauen. Vor allem, wenn man mit dem anderen ringt, hadert, vielleicht an ihm
verzweifelt. In den Augen des anderen können wir sein Menschsein entdecken.
Und auch DEN Menschen, von dem Christian Morgenstern schreibt:
Ich habe den MENSCHEN gesehn in seiner tiefsten Gestalt,
ich kenne die Welt bis auf den Grundgehalt.
Ich weiß, daß Liebe, Liebe ihr tiefster Sinn,
und daß ich da, um immer mehr zu lieben, bin.
Ich breite die Arme aus, wie ER getan,
ich möchte die ganze Welt, wie ER umfahn.
Xenia Medvedeva
Priester in der Christengemeinschaft
Frühere Betrachtungen
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