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Betrachtung zum 2. Sonntag nach Michaeli
Im Religionsunterricht malt ein zehnjähriges Mädchen ihr ganzes Blatt schwarz an. Nur in einer Ecke lässt sie eine kleine Stelle frei und malt dort einen gelben Kreis, der aber eher wie ein Punkt aussieht.
Ich frage, was das sein soll, und sie schaut zuerst verständnislos. Dann sagt sie: „Das ist die Erde, die auf den Christus wartet“ – und zeigt dabei auf das Schwarz – „und das“ – der gelbe Punkt – „ist der Christus, der bald auf die Erde kommt.“
„Warum ist die Erde schwarz?“ will ich wissen. „Die ist leer und voller
Leid,“ sagt sie. „Aber wenn der Christus kommt, wird sie sicher leuchten.“
In der Tat gibt es immer noch Orte auf der Erde, die finster sind und auf die Ankunft des Christus warten. Sie sind weit verbreitet – und doch nicht weit entfernt.
Im Gegenteil: Sie sind oft ganz in unserer Nähe. Zum Beispiel dort, wo
Ungerechtigkeit herrscht, dort, wo der Mensch nicht Mensch sein darf, wo
Streitsucht und Kritik herrschen, dort, wo es für den Geist keinen Platz gibt. Die Liste kann jeder von uns fortsetzen.
All diese Orte warten auf die Ankunft des Christus.
Und Er wird kommen.
Diesmal aber nicht wie vor zweitausend Jahren, sondern durch die
Menschen, die Ihn dorthin in ihren Herzen und durch ihre Taten bringen.
Dann kann auch dieses Stückchen Erde wieder zu leuchten beginnen.
Xenia Medvedeva
Priester in der Christengemeinschaft
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