Die Christengemeinschaft
Stuttgart-Nord

Betrachtungen

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Betrachtung zum 1. Sonntag auf Michaeli zu


Im Lauf der Entwicklung soll die Menschheit eine besondere Fähigkeit ausbilden, die die Welt dringend braucht – die Fähigkeit, frei zu sein.
Das hab ich schon längst! wird manch einer sagen.
Wirklich? Ich? Innerlich frei von allem?

Die Fähigkeit zur echten Freiheit können wir z.B. an der Dankbarkeit ausbilden.
Eine Evangelien‐Lesung der ausgehenden Sommerzeit – Lukas 17, 11–19, die Lesung vom 13. September – kann uns helfen, das zu verstehen.
In dieser Erzählung werden zehn Aussätzige von Christus geheilt und bemerken ihre Heilung erst, als sie auf das Christuswort hin davoneilen. Aber nur ein einziger kehrt zurück, um Ihm zu danken. Die neun anderen gehen ihren Weg weiter. Durch den unterlassenen Dank werden sie aber nicht etwa wieder krank, sondern bleiben gesund, genauso wie der zurückgekehrte, dankende Aussätzige aus Samarien. Äußerlich gesehen war der Dank also nicht nötig. Rein aus einem inneren Impuls heraus kehrt der Samariter um und dankt.
Hier erscheint uns der Dank als absolut freie Tat des Menschen, als Ich‐Tat. Denn das kann er sein, wenn er aus dem inneren Impuls aufsteigt, – daraus, dass ich vom anderen berührt werde, und nicht aus einem alt‐gelernten „So‐soll man‐es machen“.
Als freie Tat bildet die Dankbarkeit eine geistige Substanz, die nur durch den Menschen in die Welt kommen kann. Und diese neue Substanz braucht die Welt für ihre weitere Entwicklung. Denn ein solch frei Gebildetes und Geopfertes kann die göttliche Welt für das Gute verwenden.

Xenia Medvedeva
Priester in der Christengemeinschaft


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