Die Christengemeinschaft
Stuttgart-Nord

Betrachtungen

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Betrachtung zum 1. Johanni-Sonntag


Die Johannizeit ist mit dem Menschen Johannes dem Täufer verbunden. Die Festeszeit trägt
seinen Namen, und dieser Name erklingt auch in der Menschenweihehandlung.
Wieso das? In der Christengemeinschaft gibt es ja keine Heiligen, und Johannes ist der
einzige Mensch, der Platz findet im Kreis der Jahresfeste.

Im Evangelium wird Johannes durch Jesus Christus so beschrieben: „Unter den von
Frauen Geborenen ist kein Größerer erstanden als Johannes der Täufer; doch der Kleinste im
Reich der Himmel ist größer als er.“ (Matthäus 11, 11). Denn Johannes war derjenige, der die
Menschen auf das Kommen Christi vorbereiten sollte. Er rief sie zur inneren Umwandlung
auf: viele hörten seine Worte, und die Menschen strömten aus dem ganzen Land zu ihm.

In Kapitel 3 seines Evangeliums beschreibt Matthäus, dass Christus von Johannes
getauft werden musste: „Dann kam Jesus aus Galiläa zu Johannes an den Jordan, um sich von
ihm taufen zu lassen. Aber Johannes versuchte ihn davon abzubringen und sagte: ,Ich hätte es
nötig, von dir getauft zu werden, und du kommst zu mir?ʻ Doch Jesus antwortete: ,Lass es für
diesmal geschehen. Denn nur so können wir alles erfüllen, was Gottes Gerechtigkeit fordert.ʻ Da
fügte sich Johannes.“ (Matthäus 3, 13–15).

Im Kreis der Jahresfeste sind zwei Bewegungen zu finden. Von Advent bis Pfingsten gibt
sich Gott den Menschen hin, während von Pfingsten bis Michaeli die Menschen die
Verantwortung übernehmen. In diesem zweiten Halbjahr ist die Frage aus der Geistigen Welt
zu hören: „Was kommt von Dir, Gott‐erfülltes Wesen?“

In der Johannizeit kann Johannes unser Lehrer werden auf dem Pfade, Verantwortung
zu übernehmen. Wir können seinen Aufruf zur Sinneswandlung hören und an uns selbst
arbeiten, damit wir dem Christus immer wieder aufs Neue unsere Herzen öffnen.
Von Johannes können wir die größte Demut lernen. Unter allen Geborenen ist er der
Größte; von ihm hängt die ganze Zukunft ab – er muss Jesus taufen! Und er ist voller Demut.
Ja, die Göttliche Welt braucht die Menschen – sie ist sogar von uns abhängig. Dieser
Gedanke könnte uns in den größten Hochmut treiben. Um nicht in den Größenwahnsinn zu
verfallen, brauchen wir die Demut.

Johanni: Ein Fest der Demut – in größtmöglicher Verantwortung für die Welt.

Xenia Medvedeva
Priester in der Christengemeinschaft


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