Die Christengemeinschaft
Stuttgart-Nord

Betrachtungen

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Betrachtung zum 4. Sonntag nach Michaeli


Stille Post haben wir wahrscheinlich alle gespielt. Man sitzt in der Reihe, einer neben dem anderen. Der erste flüstert einen Satz ins Ohr des Nachbars, und dieser gibt das Gehörte weiter. Und wenn auch der letzte den Satz empfangen hat und ihn ausspricht, wundern sich alle. Denn was angekommen ist, ist nur selten das, was am Anfang stand.

Man beginnt nachzufragen: An welcher Stelle trat die Veränderung ein?
(Oder gar „Stellen“ und „Veränderungen“!) Manchmal findet man tatsächlich eine solche Stelle, und siehe da: Der Sprechende ist fest davon überzeugt, dass der Hörende sich verhört hat. Der Hörende dagegen ist völlig sicher: Was er gehört hat, hat der Sprechende genau so gesagt.

Wo liegt der Fehler? – Dazwischen?

Immer wieder kann man sich selbst in diesem Spiel vorfinden. Natürlich nicht so, dass man flüsternd in einer Reihe saß! Aber auch bei normalen Alltagsgesprächen tritt das „Flüsterpost‐Phänomen“ auf. Da fallen jedem sicher gleich Beispiele ein.

Wo liegt die Lösung? Wieder – Dazwischen!

Zwischen uns Menschen mag der Raum leer erscheinen – frei von sichtbaren Hindernissen. Doch dieser Freiraum ist in Wirklichkeit voll – prall gefüllt mit Emotionen, Vorstellungen, Hoffnungen und Erwartungen. Und all das steht dazwischen.
Man kann auch üben, diesen Zwischenraum zu gestalten, indem wir beispielsweise Denjenigen einladen, der zwischen allen Menschen ist und lebt, die sich in Seinem Namen versammeln. „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter Ihnen.“

Wie wird wohl dann das Gespräch sein?

Xenia Medvedeva
Priester in der Christengemeinschaft


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