Die Christengemeinschaft
Stuttgart-Nord

Betrachtungen

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Betrachtung zum 6. Sonntag in der Osterzeit


Euer Herz erschrecke nicht“ (Johannes 14, 1)

Mit diesen Worten beginnen die Abschiedsreden des Johannes-Evangeliums. Aber wie sollte unser Herz nicht erschrecken, wenn so viel Furchtbares und Ungerechtes in der Welt geschieht? An manchen Tagen kann das Herz vor Schrecken fast erstarren, und es erfasst uns ein Gefühl der Ohnmacht.

In den Abschiedsreden bereitet Christus Seine Jünger auf die Zeit vor, in der sie Ihn nicht mehr in ihrer Nähe erleben werden. Er macht ihnen bewusst, was Sein Wirken in der Welt bedeutet und dass die Verbindung eines jeden mit Seinem Wesen die Kraft gibt, um in der Welt zu bestehen.

In der Menschenweihehandlung erklingen die Abschiedsreden nicht – wie
man annehmen könnte – in der Passionszeit, sondern erst in der Osterzeit.
Denn sie richten sich auf die Zukunft.

Unser Herz erschrickt, wenn wir die Anwesenheit Christi nicht mehr spüren können – wenn wir uns allein fühlen und in der großen Welt verlassen. Aber gerade dann sollten wir uns an Seine Worte erinnern und dadurch Seiner Gegenwart gewahr werden. Dann wird das Herz nicht erstarrt und ohnmächtig, sondern kraftvoll strahlend. Und der Mensch wird handlungsfähig.

William Harvey, der vor vier Jahrhunderten erstmalig den Blutkreislauf darstellte, beschrieb das Herz so:

Das Herz der Lebewesen ist der Grundstock ihres Lebens, der Fürst ihrer aller, der kleinen Welt Sonne, von der alles Leben abhängt, alle Frische und Kraft ausstrahlt. Gleicherweise ist ein König der Grundstock seiner Reiche und die Sonne seiner kleinen Welt, des Staates Herz, von dem alle Macht ausstrahlt, alle Gnade ausgeht.
(Aus: Die Bewegung des Herzens und des Blutes, 1628)

Mögen die Evangelienworte des letzten Ostersonntages uns für die kommenden Zeiten erkraften.

Xenia Medvedeva
Priester in der Christengemeinschaft


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