Das klassische japanische Haiku gilt als kürzeste Gedichtform und ist bis heute weltweit verbreitet. Schlicht und ohne Reim ziehen die Gedichte in nur drei Zeilen den Leser schnell in ihren Bann. Dabei vermag die Gedichtform den Fokus auf den gegenwärtigen Augenblick, auf
Naturerfahrung, Stille und die Wahrnehmung des Einfachen und Vergänglichen zu legen. Die Spiritualität des Zen-Buddhismus oder der japanische Naturglaube des Shintō liegen hier nahe. So steht in dem unten zitierten Haiku von A. Moritake weniger eine „Botschaft“ im Vordergrund als vielmehr die achtsame Wahrnehmung eines einfachen Moments. Diese innere meditative Haltung findet sich aber auch im christlichen Kontext, wenn z.B. Mystiker wie Meister Eckhart betonen, dass sich die höchste Wirklichkeit der Sprache entzieht – um doch mit Hilfe der Sprache umschrieben zu werden.
Nach einer knappen Einführung in Geschichte und Hintergründe des Haiku wollen wir mit Blatt und Stift in der Hand gemeinsam unseren Gemeindegarten erkunden und dazu ermuntern, spielerisch eigene Eindrücke in Form eines selbst verfertigten Dreizeilers festzuhalten und uns anschließend darüber austauschen.
Ein Blütenblatt,
das zurückkehrt an seinen Zweig –
Es ist ein Falter
Haiku von Arakida Moritake (1473-1549)
(Text: Sophia Vietor und Michael Malert)
