Am 14. April 1126, also vor 900 Jahren, wurde in Cordoba (Andalusien) Abū l-Walīd Muhammad ibn Ahmad Ibn Ruschd, kurz Ibn Ruschd, latinisiert Averroes, geboren. Er war ein andalusischer Philosoph, muslimischer Gelehrter, Jurist, Arzt und arabischsprachiger Schriftsteller, dazu Hofarzt der berberischen Dynastie der Almohaden von Marokko. Er verfasste eine medizinische Enzyklopädie und fast zu jedem Werk von Aristoteles einen Kommentar. In der christlichen Scholastik des Mittelalters, auf die er großen Einfluss ausübte, wurde er deshalb nur als „der Kommentator“ bezeichnet, so wie Aristoteles gelegentlich nur „der Philosoph“ genannt wurde.
Die christlich-scholastischen Denker, allen voran Thomas von Aquin, ebenfalls ganz auf Aristoteles bezogen, erlebten in der Denkweise des Averroes eine außerordentlich gefährliche Wendung, da dessen Gedanken zur Leugnung der geistigen Persönlichkeit des Menschen und damit seiner persönlichen Unsterblichkeit führen mussten. Daraus ergaben sich die vielleicht härtesten Geisteskämpfe der menschlichen Geschichte.
Ich möchte am 13. April beim Geselligen Nachmittag versuchen verständlich zu machen, wie zwei so brillante Denker in denselben Fragen zu so unterschiedlichen Ergebnissen kommen konnten.
Jochen Butenholz
