„Der Tod und das Mädchen“ – ein sowohl schauriges als auch erotisches Motiv, das seit dem 16. Jahrhundert in verschiedenen Kunstgattungen verarbeitet wurde, beispielsweise in der Malerei, der Literatur und der Musik, neuerdings auch im Film. Der personifizierte Tod tritt als Verführer oder gar als Liebhaber einer jungen Frau auf.
Die bekannteste Text-Version ist das Gedicht von Matthias Claudius, das von Franz Schubert vertont wurde. Denselben (nicht authentischen!) Titel erhielt dann sein spätes Streichquartett d-Moll Nr. 14, dessen zweiter Satz Motive aus seinem eigenen Lied variierend aufgreift.
Damit ist angedeutet, was der Inhalt dieses Streichquartetts ist: Die ewige Auseinandersetzung zwischen Jugend und Alter, zwischen Leben und Tod, die Schuberts zentraler Lebensinhalt wurde, als mit 27 Jahren zur Kenntnis nehmen musste, unheilbar krank zu sein. Er starb mit nur 31 Jahren.
Die Zeitlosigkeit des Themas und die unendliche Tiefe seiner Empfindung bewirken den Ruf dieses Stückes als einer der unbestrittenen Höhepunkte aller Kammermusik.
Das Quartett wird ergänzt durch Schuberts Trio-Satz B-Dur, den Quartett-Satz c-Moll sowie das genannte Lied.
Jochen Butenholz