Aus dem Rendsburger Gemeindebrief in der Osterzeit 2026
„Wer wird uns den Stein vom Eingang des Grabes wälzen? Und als sie aufblickten, wurden sie gewahr, dass der Stein beiseite gewälzt war, er war sehr groß.“
aus dem Markusevangelium, 16. Kapitel, Vers 3
„Da sprach der Herr zu Mose: Steige herauf zu mir auf den Berg und bleibe daselbst, dass ich dir die steinernen Tafeln gebe, die Gesetze und Gebote, die ich aufgeschrieben habe, sie zu unterweisen.“
aus dem Alten Testament 2. Buch Mose, 24. Kapitel, Vers 12
„Das Gesetz ist durch Moses gegeben, die Gnade und die Wahrheit aber ist durch Jesus Christus entstanden.“
aus dem Johannesevangelium, 1. Kapitel, Vers 17
Liebe Gemeinde,
jedes Jahr zu Ostern und in jeder Totenweihehandlung wird am Altar aus dem 16. Kapitel des Markus-evangeliums der „frühe Morgen“ beschrieben, nachdem der Sabbat vorüber war. In einem Tür- und Angelgespräch am Ostermontagmorgen wies mich jemand darauf hin, dass es bedenkenswert sei, dass die Frauen aufbrechen, nachdem der Sabbat vorüber war und gerade die Sonne aufging, denn der Sabbat endet nach der jüdischen Tradition doch schon am Samstagabend. Wie kann es sein, dass da gerade die Sonne aufging?
Ich dachte daran, dass das Abendgebet vor dem Schlafengehen vielleicht auch wie ein „Sonnenaufgang“ am Ende des Tages sein könnte?
In ähnlicher Weise fragte ich mich dieses Jahr, welcher Art der „große Stein“ vor dem Eingang des Grabes gewesen sein könnte, der wieder und wieder zurückzurollen scheint? Es scheint not-wendig zu sein, dass wir diese Geschichte wieder und wieder hören und über sie neu denken.
Am 7. April haben sich die Pfarrerkollegen Annette Semrau, Keno Brödlin, Friedlieb Häckermann und ich in der Kieler Gemeinde getroffen, um gemeinsam darüber vorzudenken und zu beraten, wie es mit den Gemeinden in Rendsburg und der Kiel weitergehen könnte, wenn mein Mann und ich ab Juli emeritiert werden. Wir haben unser Treffen damit begonnen, uns gegenseitig davon zu erzählen, wovon wir träumen… Rückblickend und zusammenfassend klingt es in mir, dass wir davon träumen, in allem was wir tun authentisch und anwesend sein zu können; die Menschenweihehandlung so zu vollbringen, dass ihr Wesen unter uns Menschen sein kann; dass wir mit all unseren individuellen Eigenheiten aus unserem religiösen Empfinden heraus eine Gute Zeit miteinander haben können und dass wir die geschriebenen und ungeschriebenen Gesetze, die uns belasten, zeitweise sterben lassen und beiseite rollen können.
Könnte der „sehr große Stein“ aus dem Markus-Evangelium der Stein sein, auf dem das Gesetz, das Alte, das In-Stein-Gemeißelte geschrieben steht? Wie kann er beiseite gerollt werden? Welchen Ort sehen, welchen Klang hören wir dann? Lassen wir uns erschüttern von der Tatsache, dass es möglich war und ist?
Annette Semrau und Keno Brödlin aus Kiel sind dazu bereit, ab Juli 2026 für die zwei Gemeinden Rendsburg und Kiel verantwortlich zu sein. Eine große Herausforderung für die beiden und für Sie als Gemeinde! Vielleicht kann es gelingen, wenn wir uns von Zeit zu Zeit danach fragen, wovon wir träumen?
Ich selbst werde weiterhin zur Mitarbeit zur Verfügung stehen, werde aber einiges auch an Menschen aus der Gemeinde abgeben wollen und müssen.
Am Sonntag, 17. Mai um 10 Uhr
werden Annette Semrau und Keno Brödlin in Rendsburg die Menschenweihehandlung bestreiten und anschließend im Gemeindesaal begrüßt.
Sie werden sich vorstellen und vielleicht erzählen wir uns von unseren Träumen?
! Imbiss wie immer inklusive !
Mit herzlichen Grüßen und viel Dankbarkeit, Ihre Birgit Häckermann
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Zum Vortrag „Der Himmel übt an Dir Zerbrechen – von der Widerkunft Christi und der Neugeburt der Menschlichkeit“ am 16. 6.
Wiederkunft Christi – das bedeutet keine Wiederholung eines Gewesenen, sondern das ganz Neue. Wir schauen ihn nicht in der Vergangenheit, sondern empfangen ihn aus der Zukunft – und die Zukunft mit ihm. Das erleben wir, weil es uns nicht nur berührt, sondern im Innersten erregt und verändert. Diese Wahrnehmungen entziehen sich aber immer wieder unserem intellektuellen Einordnen, weil die alten, an der Außenwelt gebildeten Begriffe nicht taugen, um das , was da keimen , was sich da ganz neu entfalten will, zu benennen. Auch sie müssen sich wandeln, bildsam werden, um zu erfassen und zu vermitteln, was im Ereignis der Wiederkunft an Kraft, an Wesen nach uns sucht und uns zur Neugeburt der Menschlichkeit drängt. Diesem Kommenden in unserer Gegenwart soll an diesem Abend nach- bzw. entgegengespürt werden. Georg Dreißig, Schloss Hamborn
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Wie hat alles angefangen?
Das Rendsburger Gemeindezentrum der Christengemeinschaft liegt zentral im nördlichsten Bundesland Schleswig-Holstein. Schon früh, nach der Begründung der Christengemeinschaft 1922, versuchte der junge Anthroposoph und Direktor der Schleswig-Holsteinischen Elektrizitätsversorgungs-GmbH Hans-Georg Schweppenhäuser die Inhalte der „Bewegung für religiöse Erneuerung“ auch in Rendsburg bekannt zu machen. So fanden schon im Jahre 1928 die ersten Taufhandlungen von dem zuständigen Pfarrer der Christengemeinschaft, Dr. Johannes Hemleben, im Hause „Schweppenhäuser“ statt. Diese Ereignisse waren 1947, nach dem 2. Weltkrieg, die Keimzelle für die Weiterentwicklung der Christengemeinschaft in ganz Schleswig-Holstein. Die Rendsburger Gemeinde konnte damals als erste Gemeinde im Lande, mit Hilfe von Herrn Schweppenhäuser, in der sogenannten Parksiedlung eine Baracke zur Kirche herrichten. An gleicher Stelle entstand 1966 das heutige Gemeindezentrum, bestehend aus einem großen Kirchenraum, einem Raum für Veranstaltungen, 2 Nebenräumen und einer Pfarr-Wohnung. Auch eine kleine Aufbahrungskapelle konnte dem Komplex angegliedert werden. Im Verlaufe der Entwicklung der Gemeindegeschichte ist zu erwähnen, dass die „Studien- und Begegnungsstätte der Christengemeinschaft – Der Methorst“ im Jahre 1954 von dem Pfarrer der Christengemeinschaft Hilmar von Hinüber gegründet und über 50 Jahre, bis zum Jahre 2008, von der Rendsburger Gemeinde mitverantwortlich getragen wurde.
Lorenz Kahl, Mitglied der Christengemeinschaft Rendsburg und ein Kind aus ihrer Gründungszeit