Die Entwicklung der Christengemeinschaft in Überlingen unter besonderer Berücksichtigung des Pfarrer-Kollegiums und des Religionsunterrichts
Im Februar 1959 wurde Hans Fürcho vom Siebenerkreis nach Lindau entsandt, wo bereits im Oktober 1959 die Krell’sche Kapelle angemietet werden konnte. Um den Bodensee herum wurde von Lindau aus an verschiedenen Orten die Menschenweihehandlung zelebriert.
1972 wurde in Überlingen mit dem Bau einer Waldorfschule begonnen. Aus dem Gründungskollegium kam die Anfrage nach Religionsunterricht der Christengemeinschaft. Dr. Friedrich Doldinger, der damalige Lenker, und Karl Hublow, seinerzeit Pfarrer in Konstanz, waren aus gesundheitlichen Gründen für diese Aufgabe nicht verfügbar. So entschloss sich Hans Fürcho zum Umzug von Lindau nach Überlingen. In der Folge wurde in Lindau die Krell’sche Kapelle aufgegeben. Der Lindauer Gemeindeimpuls verlagerte sich nach Wangen im Allgäu.
Ab 1973 wurde in Überlingen in der Schreibersbildstraße sonntags im Wohnzimmer der familie Fürcho die Menschenweihehandlung gehalten (wochentags in der Garage …).
1975 kam ein zweiter Pfarrer hinzu: David Schwarz, der sich in der Camphill-Dorfgemeinschaft Lehenhof ansiedelte. Die Leitung der Christengemeinschaft (der Siebenerkreis mit dem damaligen Erzoberlenker Rudolf Frieling) und die Mahle-Stiftung in Stuttgart machten Mut, in Verhandlungen über einen Kirchenbau mit der Stadt einzutreten. Den Kirchenbau-Entwurf fertigte Wilfried Ogilvie an, die Ausführung oblag im Wesentlichen der Alanus-Bauhütte.
Das soziale Umfeld wurde damals durch die anthroposophische Heilpädagogik gebildet: 1973 bestanden bereits die Camphill Schulgemeinschaften Brachenreuthe und Föhrenbühl und die Dorfgemeinschaft Lehenhof. Die Dorfgemeinschaft Lautenbach nahm gerade ihre Arbeit auf. Wenn z. B. bei Konfirmationen das Fürcho’sche Wohnzimmer zu klein war, wich man ab 1976 in die neu gebaute Kapelle in Lautenbach aus, wo auch sonst regelmäßig zelebriert wurde.
16.10.1979: Grundsteinlegung des Kirchenbaus in Überlingen
10.10.1980: Richtfest
1. Advent 1980: Die erste Menschenweihehandlung wurde im Saal des Untergeschosses gefeiert.
11.01.1981: Kelchweihe des feuervergoldeten Silberkelches von Gemma Wolters-Thiersch im Saal. Dagmar Schröter war schon während der Bauzeit nach Überlingen entsandt worden, um die Verbindung zu den heilpädagogischen Einrichtungen zu stärken.
05.04.1981: Kirchweihe
Kanzel, Altar, Eingangstür, Portal, Altarleuchter und zuletzt das Altarbild wurden unter der Leitung von Wilfried Ogilvie gefertigt. Die in reliefgeformtem Sandbett geschmolzenen Klarglasplatten wurden in die gewölbten Außenwände eingesetzt. Aus Kostengründen musste zunächst auf farbige Glasfenster verzichtet werden, ebenso auf das Beschnitzen der Säulen und eine Kuppelverkleidung. Als Pfarrer Hans Fürcho Überlingen 1983 verließ, veranlasste Dagmar Schröter die Abdämpfung der hellen Kirchenfenster durch eine innen vorgesetzte Bleiverglasung in Scharlachrot.
Zu Pfarrerin Dagmar Schröter kam im selben Jahr Volker Dauner hinzu. 1985 wurde Pfarrer Alfred Wohlfeil nach Überlingen entsandt, der vorher in Lautenbach in der Heilpädagogik gewirkt hatte. Volker Dauner übernahm die Arbeit in Konstanz.
1995 stellte ein Umbruchsjahr für die Gemeinde in Überlingen dar: Alfred Wohlfeil sollte eine Aufgabe in Stuttgart übernehmen und Hans Matschoß zu Dagmar Schröter hinzutreten. Aber Anfang August verstarb diese plötzlich, und so musste Hans Matschoß nun ganz alleine die Gemeindearbeit bewältigen. In den Folgejahren kamen nach Überlingen und in das nördliche Bodenseegebiet mehrere neugeweihte Priester, die jeweils nur wenige Jahre blieben: Nicholas Wijnberg, der auch für Wangen zuständig war, und seine Frau Michaela Wijnberg, später kamen Milan Horák und Susanne Hörtreiter dazu. Im Jahr 2000 zog als Senior Pfarrer Hartmut Wittkowsky mit seiner Frau Mairis nach Überlingen als Alters-Ruhesitz und beteiligte sich mit Vorträgen und Urlaubsvertretungen am Gemeindeleben. Seine Frau – einst auch Priesterseminaristin und Kalligraphin/Designerin – übernahm gestalterische Aufgaben im Gemeindeleben.
Erst nach 2001 stabilisierte sich die Lage: Im Frühjahr kamen Michael Bruhn und Aaron Mirkin nach Überlingen, auch wenn letzterer schon im Sommer seine erste Gemeinde in Richtung Südafrika wieder verließ. Auch Susanne Hörtreiter (später Gödecke) zog zu ihrem Verlobten nach Kiel. Dafür kam aber Hellmut Voigt nach zwanzig Jahren Gemeindearbeit in Rostock nach Überlingen. Nachdem ab dem Jahr 2000 die neue Wohnstätte „Haus Rengold“ Bewohner aufnahm, wuchs der Gemeinde eine zusätzliche Menschengruppe zu.
Nun kamen die Gemeindegeschicke in ruhigeres Fahrwasser: Das Verhältnis zur Waldorfschule verbesserte sich zusehends, denn nach turbulenten Jahren mit Religionsunterrichtsausfall und unbeaufsichtigten Kindern wurden wieder in jeder Klasse (1 bis 8) der zweizügigen Waldorfschule zwei Wochenstunden Religionsunterricht gegeben, auch dank der neu hinzugekommenen Religionslehrerin Maria Kreuer. 2016 verließ sie Überlingen altershalber. Im Laufe der nächsten Jahre übernahm Regine Bruhn immer mehr Religionsunterricht, und so konnte schließlich das Angebot bis zur 10. Klasse ausgebaut werden.
Auf Initiative von Michael Bruhn und Hellmut Voigt sollten nun die Lichtverhältnisse in der Kirche in Angriff genommen: Zunächst wurden die oberen Felder der fünfteiligen Fenster von der roten Innenverglasung befreit und anschließend die vielfarbigen Fensterentwürfe von Wilfried Ogilvie umgesetzt. Seitdem werden die kultischen Farben nicht mehr verfälscht, der Weiheraum erstrahlt in neuem Licht.

Im Zugehen auf das 25-jährige Kirchenjubiläum (2006) wurden einige Projekte in Angriff genommen werden. Das äußere Erscheinungsbild des Kirchengebäudes sollte verbessert werden, und es schien an der Zeit, der Kirche endlich einen Namen zu geben. Ersteres rief erstaunliche Resonanz hervor: Bis zu 20 Helfer waren bei der Fassaden-Renovierung im unermüdlichen Einsatz. Die Neugestaltung eines Weges direkt von der Rengoldshauser Straße um den Gemeindegarten herum zum Kircheneingang wurde vom Landschaftsbau Bruderhofer erledigt. Die Namensgebung dagegen gestaltete sich schwieriger. Schließlich einigte man sich auf „Emmaus-Kirche“, was sich auf die Kirchenfenster-Mittelmotive bezog, nach dem Auferstehungsgeschehen aus Lukas 24.
Vom 7. bis 9. April 2006 gab es ein großes Fest mit vielen namhaften Gästen und der Goldenen Trauung von Taco Bay und seiner Frau Ita Bay (die inzwischen nach Lichtenegg auf den Lehenhof gekommen waren) als krönendem Abschluss.
Das Jahr 2008 brachte zwei bedeutsame Ereignisse: Zunächst hatte die Leitung der Christengemeinschaft der Gemeinde auf wiederholte Nachfrage eine weitere Kollegin versprochen. Im Juni kam Pfarrerin Ilse Wellershoff-Schuur dazu, vorher in der Gemeinde Hannover tätig, ohne dass ein anderer Pfarrer weggehen musste. Pfarrer Hans Matschoß war durch seine schwere Krankheit zunehmend arbeitsunfähig geworden, so dass die Verstärkung notwendig wurde. Er starb im Frühling 2014.
Außerdem kam im November der komplizierte Prozess mit den farbigen Kirchenfenstern zum Abschluss: Über zwölf Wochen lang war Wilfried Ogilvie in Überlingen und setzte die inzwischen weiterentwickelten Entwürfe mit der neuen Glasfließtechnik in der Werkstatt von Andreas Dierig um. Zum Advent konnte die neue Farbenfülle in den Kirchenraum einziehen.
Das Jahr 2009 brachte wieder einen Pfarrerwechsel. Michael Bruhn wurde nach über acht Überlinger Jahren nach Berlin-Wilmersdorf berufen. Zum Ausgleich kam im Herbst Jean-Marie Falcone dazu, der vorher zwei Jahre lang in Bonn tätig gewesen war. Nach R. Bruhn übernahm im Herbst 2010 D. Einsdorf einen großen Teil des Religionsunterrichtes (bis zum Sommer 2020).
Im März 2011 brachte ein Erfahrungsbericht aus Bern, wo seit einiger Zeit eine Kraul-Orgel die Kultusmusik bereichert, die Initialzündung: Wir wollen auch eine Orgel! So begann ein überaus fruchtbarer Prozess, an dessen Ende im Frühjahr 2014 zum 33-jährigen Kirchweih-Jubiläum auch eine neue Orgeleingeweiht werden konnte.

Im August 2011 verstarb nach kurzem Krankenlager der Erzoberlenker der Christengemeinschaft i. R. Taco Bay. Seine Bestattung führte Kollegen, Verwandte und Freunde der verschiedensten Lebens- und Arbeitsbereiche aus aller Welt zu einer bewegenden Feier zusammen.
Hellmut Voigt wurde im November 2011 zum Nachfolger von Friedrich Schmidt-Hieber zum Regionallenker berufen. Zwar behielt er seinen Wohnsitz im Überlinger Gemeindegebiet, wo er auch weiterhin als Gemeindepfarrer mitarbeitete, aber die Aufgaben des Regionallenkers in der Verantwortung für die Region Südwestdeutschland mit Gemeinden von Wangen i. A. bis Saarbrücken brachten es mit sich, dass er häufiger und auch länger abwesend sein musste.
Von Ostern 2011 bis Ostern 2015 gab es in Überlingen das „Proseminar am Bodensee“, das insbesondere Menschen unter 40 Jahren ansprechen wollte. Verantwortet wurde das Unternehmen von Ilse Wellershoff-Schuur. Zu Ostern 2012 begann ein zweites Studienjahr, 2013 ein drittes und 2014 schließlich ein viertes und letztes mit insgesamt 22 Teilnehmern.
Im Juni 2012 verstarb der emeritierte Pfarrer Hartmut Wittkowsky, welcher in seinen Ruhestandsjahren auch in vielen umliegenden Gemeinden ausgeholfen hatte. Er hinterließ eine Lücke, die deutlich machte, dass auch emeritierte Kollegen gebraucht werden, um die Aufgaben in einer der größten Gemeinden Deutschlands bewältigen zu können.
Im Herbst 2012 kam die Gemeinde in Villingen-Schwenningen nach der Emeritierung von Pfarrer Volker Elfert als Filiale in die Gemeindeverantwortung von Überlingen und wurde zunächst durch Pfarrer Jean-Marie Falcone versorgt. Allerdings musste er die Gemeinden in Überlingen und Villingen-Schwenningen schon im Sommer 2013 verlassen, um in seiner französischen Heimat Gemeindetätigkeiten zu übernehmen. Sein Nachfolger wurde Pfarrer Georg Schaar, der vorher elf Jahre lang in Jena tätig gewesen war. Er zog mit seiner Familie in das Pfarrer-Wohnhaus in Deisendorf ein, welches ein Gemeindemitglied für große Pfarrerfamilien gebaut hatte, während Familie Voigt in die Dorfgemeinschaft Lautenbach umzog. Georg Schaars Ehefrau Ulrike übernahm Aufgaben im Religionsunterricht, so dass es durchgehend zwei Religionslehrerinnen für den Unterricht in Klasse 1–7 gab.
Die Wohnung auf dem Grundstück der Kirche war nun erstmals nicht mehr von einer Pfarrerfamilie bewohnt, sondern erschloss der Gemeinde neue Möglichkeiten. Im Untergeschoss gab es mit dem Wohnzimmer einen großen Gruppenraum für Kinder-, Eltern und Familienarbeit. (Das ehemalige Arbeitszimmer diente schon zu Falcones Zeiten als Konferenzzimmer.)
Im Frühling 2014 wurde eine weitere Kollegin, Johanna Taraba, in unsere Gemeinde entsandt, hatte es doch durch das Anwachsen der Aufgaben (Filiale in Villingen-Schwenningen, Lenkertätigkeit, Betreuung der Arbeit im Heiligen Land und andere Extraaufgaben der drei Pfarrer) deutliche Engpässe gegeben. Kurz darauf heiratete sie ihren Studienkollegen Jakob Besuch. Den beiden wurden im Laufe ihrer fünfjährigen Zeit in Überlingen drei Kinder geboren. Nun musste die obere Etage des Gemeindehauses wieder als Pfarrerwohnung genutzt werden. Am 18.02.2018 wurde Jakob Besuch geweiht und kam als neuer Kollege hinzu, sich die Pfarrstelle mit seiner Frau teilend.
Zwischenzeitlich war Pfarrerin Patrizia Gagliano für ein Jahr (2017/18) bei uns tätig, nachdem sie schon ihr Gemeindepraktikum in der Gemeinde absolviert hatte. Sie wurde im Frühling 2018 nach Erlangen entsandt.
Das Kollegium wurde ab 2014 nach besten Kräften durch Frank Peschel unterstützt. Als emeritierter Pfarrer war er zusammen mit seiner Frau Brigitte nach Überlingen gezogen, um von hier aus in den umliegenden Gemeinden mitzuhelfen. 2019 verließ er uns wieder und setzte von Wien aus seine Arbeit in der Slowakei und Slowenien fort.
Im Jahr 2018 wurden der Altar und die Kanzel farblich neu gestaltet.
Nach einigen längeren Krankheitszeiten im Laufe des Jahres 2018 brauchte Ilse Wellershoff-Schuur eine veränderte Arbeitssituation und wurde zum 01.01.2019 von der Gemeinde-verantwortung freigestellt. Nun konnte sie sich vermehrt ihren Aufgaben im Heiligen Land, in der Ausbildung und der Öffentlichkeitsarbeit sowie der Arbeit auf dem Lehenhof widmen. Als neue Kollegin kam Kristin Kuhn samt Familie (ihr Ehemann Rudolf und die beiden jüngsten der fünf Kinder) in die Gemeinde.
Im Mai 2019 verließ uns die Pfarrerfamilie Johanna und Jakob Besuch wieder. Ihre neue Wirkungsstätte wurde Jena/Thüringen. Zum Ausgleich kam Pfarrer Hieronymus Rentsch – vorher in Würzburg tätig – mit seiner Frau Christine zu uns.
2021 wurde beim 40-jährigen Kirchweih-Jubiläumder Veränderungen der vergangenen fünfzehn Jahre gedacht.
Georg Schaar beendete zu Ostern 2022 seine Tätigkeit in Überlingen, um sich seiner neuen Aufgabe als einer der Leiter des Stuttgarter Priesterseminars zuzuwenden. Seit dem Weggang von Ulrike Schaar wird der Religionsunterricht ausschließlich vom Pfarrerkollegium abgedeckt.
Das Amt des Lenkers der Region Südwestdeutschland übergab Hellmut Voigt im April 2022 an seine Karlsruher Kollegin Irma Beridze-Gössler.
Im April 2022 wurde die Pfarrerin Ines Kolb in unsere Gemeinde entsandt. Mit ihr, Kristin Kuhn und Hieronymus Rentsch sind nun wieder drei Gemeindepfarrer in der Gemeinde tätig – verstärkt durch Hellmut Voigt mit einer halben Pfarrstelle sowie die freigestellte Ilse Wellershoff-Schuur und Gwendolyn Fischer, die als emeritierte Kollegin im Frühjahr 2021 nach Überlingen gekommen war. Im Sommer 2022 beendete auch Ulrike Schaar ihre Religionslehrertätigkeit in Überlingen, um in gleicher Weise in Stuttgart tätig zu werden. Seit dem Herbst 2022 wird wieder der gesamte Religionsunterricht von den Pfarrern gegeben.
Im Frühjahr 2023 ging wieder eine Etappe der Gemeinde-Entwicklung zu Ende: Ilse Wellershoff-Schuur und ihr Ehemann Heinrich Schuur übersiedelten nach Oldenburg. Unsere Gemeinde verlor damit zwei überaus tätige Menschen, denn auch Heinrich Schuur war als sachkundige Stütze aus der Gemeindeverwaltung (Finanzkreis) bisher nicht wegzudenken.
2024 / 2025 wurde die Beleuchtung im Kirchenraum durch vier Leuchtkörper aus der Werkstatt Kraul verbessert.
Wir blicken erwartungsvoll in die Zukunft.