Die Christengemeinschaft
Wiesbaden

Betrachtungen

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Betrachtung 2026-02 – „Sie haben keinen Wein“

In wenigen Tagen ist Lichtmess-Tag. Wir bemerken die Zunahme an Licht-Fülle, am klaren Himmelsblau über uns und auf der sich allmählich neu begrünenden Erde. „Tag der lichten Erde“ hieß er in alten Kalendern.

Auch im Festeszeiten-Gebet der Epiphanias-Zeit wird vom Aufblick zum Licht gesprochen. Vor uns stellt sich das Bild des Christus-Seelen-Lichts als «Gnade-Stern». Dieser rief die Engel aller Himmel herbei. Sie sollten den Welt-Weisen Kunde geben von der Gnade-Erscheinung des Welten-Lichts.

Zur Zeitenwende ist diese Gnade-Erscheinung Mensch geworden. Nicht Mensch wie wir es noch sind. Mensch schon so, wie wir es werden sollen. Bild der Erfüllung des Mensch-Werdens.

Jenes Bild handelt, vollbringt Taten; es setzt Zeichen. Am Zeichen kann Wesen erkannt werden.

Eine solche Zeichentat beginnt mit dem Ausspruch der Maria. „Sie haben keinen Wein.“

Ja, auch der Christus hat es erkannt: Die Gäste der Hochzeit haben keinen Wein mehr. Der Wein ist ausgegangen. Die Krüge sind leer.

Auch Lichtmess ist ein Hochzeitsfest – eine Vermählung von Himmelslicht mit Erdenfarbe. Wir sind die Gäste der Erde. Ist auch uns der Wein ausgegangen? Der Saft, in dem Sonnenwirken sich mit dem Erdenstoff verbindet zu aromatischem Kraft-Spenden?

Äußerlich betrachtet sind unsere Kellermeister zufrieden, unsere Krüge voll, die berauschenden Feste gut besucht. Und doch kann Maria auch über uns sagen: Da mangelt es, da fehlt etwas, das in alten Zeiten das Menschsein spüren ließ im dionysischen Rausch. Der Seelen-Krug will heute gefüllt sein mit einem Wein, der nicht ausgehen kann. Vorbei die Zeit, als unser Selbstbewusstsein noch abhängig war vom irdischen Wein.

«Füllet die Krüge mit Wasser!» Wasser, dieses Element der dauernden Verwandlung, dessen Gestalt reicht vom kristallenen Eis zum sich ründenden Tropfen, vom dahinschlängelnden Auenbach zum spiegelnden See, vom sprudelnden Quellstrahl zum in Wellen schäumenden Meer, vom Dunst des Nebels zur geballten Gewitterwolke: Wie gleicht es der fühlenden Menschenseele!

Und der von Sonne durchwirkte, von Wärme durchglühte Wein – mit ihm ist das menschliche Willenswesen tief verwandt.

Das zur Reinigung bestimmte Wasser wird zu neuem, kostbarem Wein; an dieser ersten Zeichentat im Evangelium lässt sich Christus von uns anfänglich erkennen.

Aber auch umgekehrt: Wie werden wir erkannt! Wie erkennt der Christus uns, wenn wir Zeichentaten vollbringen: wenn wir im Gebet zu ihm hingeneigt sind! Wie stellt er uns die Frage: «Was webt zwischen euch und mir?»

Werden wir gleich dem Wein, gereift im Seelen-Sonnenlicht, gekeltert in der Selbstverwandlung!

Dann kann auch die Erde – dauerhaft – lichte Erde werden.

Bettina Wunder

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