Die Christengemeinschaft
Wiesbaden

Betrachtungen

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Betrachtung 2026-07 (Ostern)

Am Ostersonntag ist es Brauch, am frühen Morgen noch vor Sonnenaufgang zu einer – möglichst im Wald oder auf einer Waldlichtung gelegenen – Quelle zu wandern. In aller Frühe läuft man los, – in aller Stille, in der Dunkelheit. Das Einzige was man hört ist das Knacken von Hölzern unter den Füßen, oder geheimnisvolle Geräusche von dem einen oder anderen Tier, das durch das Dickicht schleicht. Das anschwellende Gluckern eines Bächleins neben dem Pfad weist den Weg. Rund umher Finsternis; noch ist es auch kalt.
Doch schon bald lichtet sich diese Finsternis. Es dämmert auf, und kurz bevor man den ersten Sonnenstrahl am sich rötenden Horizont leuchten sieht, haben die Vögel ihn schon bemerkt: Der erste Vogel singt, bald stimmen andere ein, die Welt wird farbiger. — Freude am Dasein erfüllt die Brust; das Herz pocht wärmer.
Man beginnt zu ahnen, wie es den Frauen ergangen ist, als sie am frühen Morgen zum Grabe gingen, den Stein zur Seite gewälzt fanden und beim Betreten des Grabes feststellen mussten: DAS GRAB IST LEER! Dann sehen sie im Innern des Grabes einen Engel, leuchtend wie die Sonne, und sie hören die Worte: „Er ist nicht hier. Er ist auferstanden.“ Freude erfüllt die Seele; «Wärme wandelt des Herzens Schlag.» Die Gewissheit entsteht: Er ist wahrhaftig auferstanden.
Aber wo ist er? Die Worte: „Er ist nicht hier,“ hallen noch in uns nach.
– Er kommt als Gärtner,
– er geht durch verschlossene Türen,
– er ist zu gleicher Zeit an unterschiedlichen Orten.
– Er ist, wo Finsternis weicht und Licht sich gebiert.
– Er ist, wo Trauer weicht und Freude sich dem Licht eint.
– Er ist, wo Osterglocken läuten und die Gewissheit auflebt:
  Er ist wahrhaftig auferstanden. —
– Er ist in uns.
«Er lebt, und wird nun bei uns sein, Wenn alles uns verlässt! Und so soll dieser Tag uns sein Ein Weltverjüngungs-Fest.»

Bettina Wunder

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