Die Kunst des Lauschens

Die Kunst des Lauschens
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Predigt der Woche

Das Wort „eigensinnig“ hat in den vergangenen Jahrzehnten eine merkwürdige Änderung durchgemacht. Früher war einer, der eigensinnig war, für andere nur ein Ärger. Wenn eine Gruppe Entschlüsse fassen musste, wurde so ein Mensch gern als Spielverderber betrachtet, dem man schnell das Handwerk legen sollte.

Heute sieht man das anders, und der Eigensinn hat eine ganz neue Nuance bekommen. Er wird sogar gefördert: Tu alles auf deine eigene Weise, und lass dir ja nicht durch andere vorschreiben, was du sagen oder tun willst. Denn heutzutage empfindet sich jeder Mensch als eine mehr oder weniger abgeschlossene Persönlichkeit, und jeder hat seine eigene Meinung, jeder handelt auf eigene Weise.

Aber diese Eigenheit ist ein zweischneidiges Schwert. Einerseits macht sie uns selbständig, frei von allen Bindungen. Andererseits führt sie uns in eine Welt aufeinanderprallender Meinungen, Interessen und Konflikte. Wenn wir uns nur auf die eigene Weisheit verlassen, verkommen unsere Gespräche zu einem Disput unter Ertaubten – jeder in seiner eigenen Wahrheit eingesperrt.

Als Christus einen Tauben heilen will, muss Er ihn von der Menge wegführen, an einen stillen Ort. Dort, ganz allein mit ihm, kann Er das Wunder der Heilung vollbringen und ihm die Ohren öffnen.

Auch unsere Taubheit – die eigene Weisheit, die von der göttlichen Weisheit entfremdet ist – kann nur geheilt werden, wenn wir mit Ihm in der Stille zusammen sind. Das ist der eigentliche Sinn der Menschenweihehandlung: in der Stille mit Ihm zusammen sein. Und darin liegt ihre Bedeutung. Wo in der Welt gibt es solche Orte, wo wir eine Stunde lang in völliger Andacht die Kunst des Lauschens üben können?

Und was wäre die Kunst des Gebets denn anders als eine Kunst des Lauschens – des Lauschens auf den Willen Gottes? Die Menschenweihehandlung lehrt uns, ein lauschendes Leben zu üben. Früher oder später öffnet Christus unsere Ohren für Seine Gegenwart – nicht nur in der Stille am Altar, sondern in unserem ganzen Leben.

Verfasst von Bastiaan Baan, Priester

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