Über die Ausbildungsstätten der Christengemeinschaft
Gespräch mit Ulrich Meier
Sarah Knausenberger | Lieber Ulrich, du bist ja einer der Leiter des Priesterseminars hier in Hamburg. Viele Menschen interessieren sich für die Seminare, wissen aber gar nicht, welche es gibt. Kannst du einen Überblick über die Entwicklung der Seminare geben?
Ulrich Meier | Gern. Bis Ende der 1990er-Jahre gab es nur das Stuttgarter und das Leipziger Priesterseminar für die Gemeinden in der ehemaligen DDR. Auf einer großen Priesterversammlung, die Hans-Werner Schroeder 1998 einberufen hat, kam der dringende Wunsch auf, mehr Vielfalt in die Ausbildung zu bringen. Eine Kommission wurde eingesetzt, und so wurde 2001, also vor genau 25 Jahren, erst das Hamburger Priesterseminar gegründet. Zwei Jahre danach folgte das englischsprachige Seminar in den USA. In den letzten 25 Jahren hatten wir als Christengemeinschaft und als Priesterschaft zu lernen, wie man Vielfalt entwickeln und vor allem, wie man sie leben kann. Das ging anfangs nicht ohne Missverständnisse und Konkurrenzgefühle, aber inzwischen ist die Vielfalt der Ausbildung weitgehend fraglos anerkannt und führt hoffentlich auch zu mehr Vielfalt in den Gemeinden
SK | Wie lassen sich aus deiner Perspektive die unterschiedlichen Seminare charakterisieren?
UM | Ja, ich kann es natürlich nur mit dem Blick eines Hamburgers schildern. Vielleicht gibt es ja eine Fortsetzung der Darstellungen aus den beiden anderen Teams. Es gibt zunächst einmal drei inzwischen erfreulich unterschiedliche Profile: Stuttgart steht für die Ausbildung in Vollzeit, in Toronto arbeiten sie für das erste Jahr mit regelmäßigen Online-Meetings als Distance Learning und haben das zweite Jahr in Studium in Präsenz, dann folgt das Praktikum. In Hamburg haben wir vor zehn Jahren begonnen, das „Studium für Berufstätige“ zu entwickeln und bauen es gerade in unserem 4. Kurs weiter aus. Dabei haben wir es eher mit Berufswechslern zu tun, was wir aber auch besonders mögen. Wir lieben diese Leute mit Berufs- und Lebenserfahrung, die sich umbauen. Gerade die religiösen Fragen liegen da unmittelbar obenauf in der Seele. Wir hatten für das Konzipieren und den ersten Kurs eine wunderbare Begleitung durch Michael Brater, der uns aus seiner langjährigen Erfahrung in der Erwachsenenbildung für die Einrichtung und Begleitung von eigenständigen Lernvorgängen sensibilisiert hat. Dass man im berufsbegleitenden Studium deutlich weniger Präsenzzeit am Seminar hat, ist für uns eine Herausforderung, den exemplarischen Charakter alles Lernens ernstzunehmen. Du lernst nie alles, wirst hoffentlich immer das Gefühl haben, dass es noch nicht ausreicht, was du schon überschaust oder dass die Frische einer neuen Lernerfahrung durch kein „gesammeltes“ Wissen aufzuwiegen ist.
Ein weiteres Feld sind die Proseminare – z.B. in Russland, in der Ukraine, in Südamerika, in Italien, in der Nordregion. Es gab und gibt auch Seminare in Gemeinden, z.B. in Krefeld, in Überlingen, in Köln. Das regionale Ausbilden, so habe ich es auf der letztjährigen Ausbildungskonferenz erlebt, könnte noch verstärkt werde, weil deutlich ist: Den großen Sprung in ein fernes Land, in eine fremde Sprache oder auf einen anderen Kontinent ist oft weder zumutbar noch finanziell zu realisieren. Ich war kürzlich zum ersten Mal beim italienischen Proseminar und habe über die elf Seminaristen gestaunt, die wissen: Es wird in absehbarer Zeit dort keine Pfarrstelle geben, aber sie brennen für die Christengemeinschaft und genießen diese gemeinsame Arbeit. Michael Bruhn leitet das Proseminar und wir sind mit dem Hamburger Priesterseminar Kooperationspartner. Das gilt auch für das Nordic Seminary.
SK | Wo befindet sich das?
UM | Die erste „Staffel“ war in Järna, Schweden. Die nordischen Kollegen haben die Idee, dass sie alle ihre Länder durchwandern. Sie haben ein zweijähriges Curriculum gebildet, im September startet der nächste Kurs in Kopenhagen, also ist jetzt Dänemark dran. Die Hauptsprache ist dort Englisch, dann wird übersetzt. Mir gefällt am Nordic Seminary besonders, dass es keinen Unterschied macht, ob jemand Priester werden will oder als Gemeindemitglied eine Vertiefung sucht.
Hier geht es zur Website des Nordic Seminary.
SK | Werden die Curricula abgeglichen mit dem Siebenerkreis oder seid ihr da ganz frei?
UM | Der Siebenerkreis redet uns grundsätzlich nicht in die Gestaltung des Studiums herein, es gibt keine Vorschriften.
SK | Trefft ihr euch als Seminarleiter, um euch auszutauschen darüber, was wichtig ist oder was gut funktioniert?
UM | Es gibt eine jährliche Ausbildungskonferenzen zwischen Siebenerkreis, den Seminarleitungen und neuerdings auch mit dem Vorstand der Foundation. Dieses Format ist in der Zeit entstanden, in der das Miteinander der Seminare noch in Entwicklung war. Ich nehme es so wahr, dass wir es als Seminarleiter genießen, unsere Erfahrungen auszutauschen: Was sind eure neuen Projekte? Was sind eure Erfahrungen? Dieses Jahr wird es um die zentrale Frage gehen, was der Siebenerkreis von den Seminarleitern benötigt, um zu entscheiden, wer in den Vorbereitungskurs auf die Priesterweihe aufgenommen wird.
SK | Wer wird geweiht und wer nicht: Kannst du schildern, wie dieser Entscheidungsprozess abläuft?
UM | Die Seminarleitungen schlagen Kandidaten vor für eine Begegnung mit dem Siebenerkreis. Nach diesem Gespräch entscheidet der Siebenerkreis, wer in den Vorbereitungskurs aufgenommen wird. Das ist noch nicht der Weihebeschluss, sondern aus der Perspektive der Kandidaten das Nadelöhr: Werde ich in den Vorbereitungskurs eingeladen?
SK | Gibt es Kriterien, nach denen man entscheidet?
UM | Was wir von Rudolf Steiner dafür bekommen haben, sind sehr allgemeine, aber, wie ich finde, sehr zentrale Aspekte. Die eine Sache ist: Wenn ich Mitglied einer Gemeinde bin, sollte ich das Evangelium hören können; wenn ich Priester bin, muss ich es sagen können. Und das andere, was er gesagt hat, bezieht sich nicht auf das Religiöse, sondern auf die Gemeinschaft des Priesterkreises, für den die Leitung die Entscheidung verantworten muss. Steiner hat angedeutet, dass es um ein Gefühlsurteil, nach dem empfunden werden sollte: Mit wem möchten wir zusammengehen? Das ist natürlich nicht einfach zu vermitteln und zu begründen. Alle Beteiligten bemühen sich um einen gut geführten und in der Gemeinschaft der Leitenden mit den Seminarverantwortlichen gemeinschaftlich verantworteten Prozess – und trotzdem kommt es immer wieder zu Missverständnissen und zu Verletzungen bei denen, die nicht aufgenommen werden. Im Seminar haben wir noch andere Aspekte auf die wir schauen: Wir möchten, dass jemand einen Inhalt, den er sich eigenständig erarbeitet hat, mit Worten zum Ausdruck bringen kann. Und wir blicken auch auf die sozialen Fähigkeiten. Manchmal sagen wir, wenn wir die Ausbildung vorzeitig beenden zum Beispiel: Wir vermissen Ihre soziale Wahrnehmungsfähigkeit. Damit meinen wir, dass wir ein Missverhältnis wahrnehmen zwischen dem, was ich in das soziale Feld einer Gruppe hineingebe und dem Wahrzunehmen, dem Zuhören, dem Aufnehmen von Impulsen anderer. Dafür braucht es eine innere priesterliche Haltung, die sich in Zurückhaltung, in Gelassenheit ausspricht, nicht durch Belehrung oder Aktionismus. Einfacher ist es, sich über die eigentliche religiöse Herzqualität zu verständigen, weil eigentlich alle Seminaristen einen Sinn dafür haben. Es tut, glaube ich, den Menschen auch am meisten weh, wenn sie dieses Herz-Priesterliche infrage gestellt erleben. Man geht über eine längere Zeit mit dem Gedanken um, Priester zu werden und hört dann, dass es nicht gewollt ist. Das schmerzt. Wir bemühen uns darum, unsere Zweifel an der Eignung für das Priesteramt so früh wie möglich auszusprechen, aber es darf auch nicht zu früh sein. Eine unserer unerwarteten Erfahrungen mit dem berufsbegleitenden Studium besteht darin, dass es sinnvoll ist, dass die Seminaristen (noch) nicht ihre Brücken in den ausgeübten Beruf abgebrochen haben und dass sie sich nicht familiär und finanziell bis aufs Äußerste anspannen müssen. Wir haben die Idee, dass die Berufstätigkeit unserer Studenten und das Studium nicht gegeneinander arbeiten. Ich glaube, dass beides miteinander sogar etwas Produktives ergibt.
SK | Das ist ja sowieso auch etwas, was vielleicht in der Zukunft noch mehr Realität wird, wenn die Gemeinden die Pfarrer nicht mehr komplett tragen können: dass das Priesterliche mit dem „normalen“ Beruf verflochten wird.
UM | Für mich ist das einer der Punkte, wo mir der Puls immer stärker schlägt, obwohl ich verstehen kann, dass Priesterkollegen auch ganz anders darüber denken. Aber für mich ist dieses Bild, dass jemand dafür freigestellt wird, nur Priester zu sein, fast veraltet. Vielleicht bin ich aber auch durch meine persönliche Biografie darauf aus, nicht immer mitten im Nest zu sitzen, sondern an den Rändern zu gucken und neugierig zu sein: Was gibt es sonst noch?
Zurück zur Frage der Entscheidung über die Zulassung zur Weihevorbereitung: Es gibt einfach auch das, was die Menschen mitbringen. Das eine ist: Passt die Christengemeinschaft und das Priestertum in das Schicksal eines Menschen? Und andersherum: Was kann die Christengemeinschaft in ihrem Schicksal von dem gewinnen, dass sich Menschen ins Priestertum hineinstellen? Auf diesem feinen Feld erlebe ich auch einen Struktur- oder Verständniswandel: Früher wurde der ausgeübte Beruf immer ein bisschen ausklammert. Da müsse ein klarer Schnitt sein zwischen dem früheren und dem zukünftigen Arbeiten. Das sehe ich inzwischen anders: Ich glaube, dass zumindest die Berufs- und Lebenserfahrung, die entstanden ist für Menschen, die nicht schon in jungen Jahren geweiht werden, in den Gemeinden fruchtbar wirken können. Ich bin mit 29 geweiht worden, ich hatte aber schon einen Erzieherberuf, der sofort in der Kinder- und Jugendarbeit weiterging. Davon hat die Gemeinde und habe auch ich profitiert.
SK |Du hast eigentlich in deinem Beruf weitergearbeitet.
UM | Ja, mit den Kindern und Jugendlichen. Bis mir dann jemand aus der Gemeinde sehr taktvoll sagte: Jetzt müssen Sie aber mal auch für uns Ältere da sein!
SK | Ich finde den Gedanken reizvoll, dass die normalen Berufe «durchpriestert» werden …
UM | Das ist ja auch ein Thema bei Rudolf Steiner, dass er Ärzten, Lehrern und Naturwissenschaftlern gesagt hat: Wenn Ihr eure Aufgabe wirklich von Herzen und mit Begeisterung erfüllt, dann ist sie priesterlich.
SK | Die Leute, mit denen ich am Seminar war – wir sind immer noch in Kontakt – sind nicht alle Priester geworden. Aber es ist völlig klar, dass wir alle noch einen priesterlichen Impuls haben …
UM | Ja, Dr. René Ebersbach aus eurem Semester war gerade hier als Dozent bei uns. Er ist Arzt, und aus jeder Faser kam das hervor, wie sehr er dabei mitten im Religiösen steht. Ich nehme das als eine tragische Note in der Entwicklung der Christenheit war, dass man das Leben in das Weltliche und das Geistliche gespalten hat. Das ist genau genommen etwas Unchristliches. Es gibt nicht hier die das Geistige und irgendwo draußen bei den „anderen“ das Weltliche. So habe ich es in den 1970ern und 1980ern „in unseren Kreisen“ erlebt.
SK | Ein bisschen haben wir das ja leider immer noch.
Was würdest du denn sagen, wenn jemand an ein Priesterseminar geht, welche Frage er sich stellen könnte? Was ist denn das Priesterliche? Prüft man dann vielleicht, ob man das in sich trägt?
UM | Diese Frage bringen sie mit. Ich kenne keinen, der an ein Seminar klopft und der nicht mit dieser Frage kommt: Was ist das Priesterliche in mir? Die Leute haben eben heute die Chance – und dazu laden wir auch ein, indem wir sagen: Komm und sieh, nimm Kontakt auf und schaue: Was kommt deiner Frage am nächsten? Schlägt mir mein Herz, wenn ich anfange, da etwas zu tun in diesem Bereich? Sie machen ihre schriftlichen Arbeiten, sie präsentieren sie und sie üben sich in dieser Frage: Kannst du das Heilige sagen? Ich merke es bei meinen erwachsenen Kindern: Sie gehen nicht mehr irgendwohin, um durchzuhalten. Dafür setzen sie ihre Kräfte nicht ein. Sie werden geführt von diesem Gefühl: Schlägt mir das Herz, wenn ich hier bin? Oder schlägt es für etwas anderes, dann muss ich wechseln.
SK | Du schlägst also vor, auf das eigene Herz zu hören, ob man wirklich voll hinter diesen Inhalten stehen kann …
UM | … oder ob einen etwas anderes ruft. Das können Partnerschaften sein, das kann Familie sein. Oft ist es der lange Atem, auch bei Jüngeren, der einem ausgeht. Dann ist es besser, Abschied zu nehmen und zu sagen: Kommt wieder!
SK | Man nimmt ja trotzdem viel mit. – Was sind denn bei euch gerade für Kurse im Curriculum? Und wie konkret sieht das Studium aus?
UM | Wir haben ein Kurz-kurz-lang-Studium, d. h. wir haben in einem Modul, das ein Vierteljahr dauert, zweimal ein kurzes Wochenende, dann einmal eine ganze Woche von Montagnachmittag bis Freitagmittag. Die beiden kurzen Wochenenden sollen die Menschen anregen, in ihrer eigenen Themensuche und -Vertiefung weiterzukommen. Das Ganze ist immer mit einem Sakrament überschrieben; das haben wir in den kurzen Wochenenden einem anthroposophischen Thema zugeordnet. Jetzt haben wir z. B. gerade die Konfirmation beendet, da gab es den Kurs von René Ebersbach zur Menschenkunde des Übergangsalters, Lebensreife. Er hat sich sehr begeistert für dieses Wort, das wir ja von Rudolf Steiner kennen, und hat darauf einen ganzen Kurs aufgebaut. Das andere Thema war Ilse Wellershoff Schuur mit der Entwicklung des israelitischen Volkes als Beispiel für eine Kulturentwicklung. Das bereitet die Studierenden jeweils vor auf den Teil des Kurses, den dann ein Siebenerkreis-Mitglied leitet. Wir finden es wichtig, den Siebenerkreis einzubinden in die Ausbildung. Außerdem haben wir lange überlegt: Wie kriegen wir die Studenten ins Tun? Und wir die schriftlichen Arbeiten zu einem selbsterwähnten Thema entdeckt. Ich finde, es ist wichtig, dass ein Priester sich auch schriftlich gut ausdrücken kann. Und wir bekommen bezaubernde Arbeiten. Die stellen wir dann auch auszugsweise auf die Website, alle Studenten lesen sie untereinander. Und in der langen Woche präsentiert man sie in einem 12-minütigen Kurzvortrag. Dazu haben wir jetzt noch die Galerie entdeckt, ein kreatives Format. Eine einstündige Ausstellung, in der wir mit den Studierenden auch über ihre Arbeiten sprechen. Sie schätzen dieses eigenständige Arbeiten. Sie haben ihre Mentoren, mit denen sie frei vereinbaren, wo sie sich Hilfe holen. Das ist meine große Hoffnung, dass sie lernen, auch später so zu arbeiten. Jeder Priester braucht ein persönliches Netzwerk, von dem er weiß: Es trägt mich, ich kann an verschiedenen Stellen anklopfen. So sind wir aber meist nicht erzogen worden, wir wurden als Einzelkämpfer ausgebildet. Dass man im Kollegium mal guckt: Welche Stärken können wir zusammenwerfen? Das wäre eine gute Sache, oder?
SK | Ich finde es toll, wenn ein bisschen Alltagspraxis reinkommt in die Ausbildung. Als wir nach der Weihe von Marcus nach Amerika kamen, hatten wir keine Ahnung, wie man sich – auch als Familie – strukturiert, dass man auch noch Kraft hat für alle Bereiche. Auf diese praktische Seite hat uns nie jemand vorbereitet.
UM | Deshalb macht dieses Studium Sinn. Es ist kein Elfenbeinturm. Die Studierenden müssen jeden Tag herausbekommen: Wie schaffe ich das? Familie, Beruf und Studium – nach der Weihe bleiben es ja diese drei Bereiche.
Hier geht es zur Website des Hamburger Priesterseminars.
SK | Ich finde, Stuttgart hat auch etwas.
UM | Begeisterung für das eine Profil ist kein Argument gegen das andere.
SK| Genau. Früher wurde oft von der Dampfdrucktopftechnik geredet, weil man einmal alles weglässt und sich komplett konzentriert. Die Türen gehen wortwörtlich zu, die Arbeit geht in die Tiefe. Und dann kann man den Rest des Lebens davon zehren und sich bewähren. Das hat auch etwas, besonders wenn man jung ist.
Hier geht es zur Website des Stuttgarter Priesterseminars.
In Stuttgart dauert die Ausbildung inklusive Praktikum vier Jahre. Und hier?
UM | Wir handhaben das stark individualisiert.
SK | Aber wie lange läuft denn das Curriculum?
UM | Das läuft zweieinhalb Jahre. Wir haben gerade gelernt, dass wir für die Zeit nach dem berufsbegleitenden Teil eine bessere Form für die wichtige Zeit der Praxiserfahrungen in den Gemeinden finden müssen. Das Problem dabei ist: Du kannst nicht berufsbegleitend studieren und dann plötzlich voll beruflich ein Praktikum machen.
SK | Aber immerhin findet es meist am Wochenende statt.
UM | Wenn man viel mit älteren Studenten zu tun hat, arbeitet man, was die Länge des Studiums anbetrifft immer auch gegen das Alter …
SK | Nach dem kurzen Blick nach Stuttgart ist meine nächste Frage: Toronto ist auch ein Vollzeitstudium?
UM | Ich glaube, dass das Profil von Toronto einen weiteren Erneuerungsschritt in der Ausbildungslandschaft möglich macht. Aber ich war selbst noch nicht dort und würde vorschlagen, dass Du Emma Heirman und/oder Jonah Evans danach fragst.
Hier geht es zur Website des amerikanischen Priesterseminars.
SK | Okay. Zurück nach Hamburg: Wie viele Studenten habt ihr derzeit?
UM | Wir haben vor einem Jahr mit 24 begonnen, die schmilzt im Laufe der Zeit erfahrungsgemäß auf 16-18 Studenten zusammen. Es ist wieder eine wunderbare Gruppe, mit der man gut arbeiten.
SK | Und dann habt ihr ja noch die Offenen Kurse.
UM | Das sind Kurswochen für alle Interessierten. Die gibt es zwei-, dreimal im Jahr.
Die nächste offene Woche findet im Oktober 2026 statt.
Mehr Informationen im Tagungsflyer.
SK | Seminarleiter bist du und?
UM | Christian Scheffler.
SK | Und Ihr holt euch dann immer Dozenten dazu?
UM | Es kommen Gastdozenten und unser Team besteht aus vier Personen: Christiane Hagemann, unsere Eurythmistin, und Marianne van Biert, eine Theologin aus den Niederlanden gehören dazu. Sie führen Feedbackgespräche mit den Studenten und geben Fachstunden. Wertvoll sind für uns die Konferenzen, in denen wir die unterschiedlichen Wahrnehmungen zusammentragen und das Konzept weiterentwickeln.
SK | Dann scheint es ja doch ein gutes Modell zu sein.
Wie hoch ist das Durchschnittsalter der Studierenden?
UM | Der Schwerpunkt ist Mitte 40 bis Mitte 50. Wir hatten jetzt drei Studenten, die Ende 20 waren, aber von denen haben sich gerade zwei wieder verabschiedet als junge Familie bzw. als Ehepaar. Ich finde, man muss junge Studenten auch gehen lassen können, damit sie wiederkommen können.
SK | Ich war ja auch in Stuttgart, als ich jung war und habe dort eine Art spirituelle Grundlage in mir bilden können, auf die ich immer noch zurückgreifen kann.
UM | Ja. Ich glaube, die Menschen würden nicht so lange bleiben, wenn sie nicht das Gefühl hätten: Hier passiert jetzt gerade etwas, was richtig ist für mein Leben.
SK | Ich finde das so toll, was ihr hier anbietet. Für dieses Gespräch erstmal: Vielen Dank!
Dieses Gespräch führte Sarah Knausenberger
