Predigt der Woche

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 „Ich lasse dich nicht …“

Krankheiten sind etwas, wovon jeder Mensch irgendwann getroffen wird. Friedrich Rittelmeyer schrieb einst einen Aufsatz mit dem Titel: „Für Kranke und diejenigen, die es  werden könnten.“

Natürlich, es wird ein Zeitpunkt kommen, an dem jeder von uns sich damit auseinandersetzen muss. Keinem von uns ist es ein angenehmer Gedanke, einmal abhängig von anderen Menschen zu werden. Und noch beunruhigender ist die Idee, nicht mehr auf eigenen Beinen stehen zu können und bettlägerig zu werden.

In einer solchen Hilflosigkeit ist die größte Prüfung, nicht ungeduldig oder aufständisch zu werden. Man nennt einen Kranken auch „Patient“, vom lateinischen „patientia – Geduld“. Dies ist eine unentbehrliche Voraussetzung für Besserung! Stellen Sie sich als Patient niemals die Frage: „Warum gerade ich? Wofür werde ich gestraft?“ Solche Fragen sind keine Hilfe für eine Besserung, das Gegenteil ist der Fall.

Anstatt zurück zu schauen und sich zu quälen mit solchen Fragen, die wir doch nicht beantworten können, ist es produktiver, vorauszuschauen und sich die Frage zu stellen: „Was kann ich durch diese Krankheit entwickeln? Liegt in dieser Prüfung eventuell ein verborgenes Geschenk?“

Novalis schrieb: „Krankheiten, vor allem langwierige, sind Lehrjahre der Lebenskunst und Charakterbildung.“ Er wusste, worüber er sprach, wurde er doch jahrelang durch eine Krankheit auf die Probe gestellt.

Stellen Sie sich vor, dass hinter jeder Krankheit ein Engel bereitsteht, um ein kostbares Geschenk mit uns zu teilen. Wie Jakob, der nachts mit einem unsichtbaren Gegner kämpfte, können wir ihm sagen: „Ich lasse dich nicht, du segnest mich denn“ (Genesis 32, 23–33).

Seit Christus auf Erden lebte, kann jede Krankheit ein Weg zum Heiland werden – solange wir wirkliche „Patienten“ werden, die mit Geduld den schmalen Weg durchs Nadelöhr gehen. So, wie in der Zeit seines Lebens auf Erden, kann er jedem von uns sagen:
Diese Krankheit ist nicht zum Tode, sondern zur Offenbarung Gottes“ (Johannes 11,4).

Foto: Birgit Boellinger

Verfasst von Bastiaan Baan, Priester im Ruhestand

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