Predigt der Woche

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Foto: Marek Piwnicki

Johannes

In unserer heutigen Welt sind wir Menschen von kolossalen Gebäuden, Betrieben und Organisationen wie von Riesen umringt. Die meisten davon haben nur ein einziges Ziel: Wachstum – meistens auf Kosten anderer. Sie sind sowohl gefürchtet als auch bewundert. Sie haben, könnte man sagen, keine andere Wahl. Ist kein Wachstum, werden sie früher oder später geschluckt durch andere Giganten. Sie leben nach dem Prinzip:

„Ich muss wachsen, er muss abnehmen.“

Im echten Leben ist es jedoch unmöglich, um sich nur durch Wachstum zu entwickeln. Jede Pflanze, jedes Lebewesen zeigt uns, was nötig ist um sich zu entwickeln. Dies ist nur möglich, wenn Wachstum irgendwann zum Stillstand kommt und Raum entsteht für neue Phasen: blühen, verwelken, Frucht ansetzen und reifen. Wenn ein Lebewesen nichts anderes tut als sich auszudehnen, verliert es irgendwann seine Kräfte, und es bleibt nichts übrig für die Zukunft.

Wenn wir unbefangen unsere Umwelt betrachten, wird es offensichtlich, dass die Giganten, die jetzt unsere Welt beherrschen, früher oder später fallen werden. Zahllose Beispiele sind aus der Geschichte bekannt: das Römische Reich, das „Tausendjährige Reich“ des Nationalsozialismus, mächtige Banken, Multinationals, die entstehen, wanken und fallen. Eine sich wiederholende Geschichte mit demselben Refrain: Wachstum ohne Frucht hat keine Zukunft.

Ähnliche Riesen kennen wir auch aus dem persönlichen Leben. Der dazu passende Name ist: ego. Egoismus hat die Tendenz grösser zu werden auf Kosten von anderen. In solch einem hemmungslosen Wachsen wird das ego destruktiv. Es will alleine regieren. Es gibt weder Brüder noch Schwestern – nur Feinde und Opfer. Egoismus trägt keine Früchte, nur Destruktion.

Der Aufruf von Johannes dem Täufer gilt nicht nur für frühere Zeiten; er ist ein Appell an jeden von uns, bis in alle Zukunft.

„Er muss wachsen, ich muss abnehmen“. Überall, wo dieser Appell verwirklicht wird, beginnt das Leben auf Erden Früchte zu tragen, sichtbar oder unsichtbar.

Jedes Mal, wenn wir diese Worte in unserem eigenen Leben beherzigen, öffnen wir die Tür unseres eigenen ego und findet Christus einen Platz, an dem  Er in uns Frucht tragen kann.

Verfasst von Bastiaan Baan, Priester

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