Predigt der Woche zu Lukas 7, 1–17
Wo wir auch gehen oder stehen – überall umgibt uns die sterbende Erde. Vor etwa 100 Jahren, als die Christengemeinschaft gegründet wurde, war dieser Begriff aus unserem Credo den Menschen wohl ziemlich neu. Der Tod war ein wichtiges Thema, war doch der erste Weltkrieg gerade vorbei. Aber ein „ersterbendes Erdendasein“? Zu dieser Zeit konnte kaum einer die Tragweite dieser Worte ermessen.
Heute kennen wir deren existenzielle Bedeutung aus eigener Erfahrung, auch wenn immer noch manche die Krise leugnen. Dass um uns herum die Erde stirbt, wird in einigen Jahren keiner mehr bestreiten.
Aber es stirbt auch die Erde, die wir in uns aufnehmen. Denn das alles – sei es Nahrung, Flüssigkeit, oder Luft – muss sterben. Das gilt auch für unsere Sinneseindrücke und Gedanken – alles muss gänzlich sterben, um uns dienstbar sein zu können.
Wir sind für unzählige Todesarten auf der Erde verantwortlich. Eine alte Legende berichtet, dass nach der Vertreibung aus dem Paradies jeder Grashalm unter Adams Füßen verdorrte. Heute ist diese Legende Wirklichkeit geworden: In dem Todesprozess der Erde spielen wir eine Hauptrolle.
Und doch: Durch Christus – so sagt uns das Credo – erlangen wir „die Wiederbelebung des ersterbenden Erdendaseins“.
Da müssen wir fragen: Geschieht diese Wiederbelebung durch Christus allein? Oder können wir Ihm bei der Erneuerung helfen? Die Menschenweihehandlung sagt uns, dass Christus das Leben der Welt trägt und ordnet. Wie kann ich Ihm dabei helfen?
– Versuche, die Welt mit den Augen des Christus zu sehen – und die Welt wird dir in einem neuen Licht erscheinen.
– Höre Ihn sprechen, bevor du selbst sprichst – und deine Worte bekommen Flügel.
– Nimm Ihn in dein Denken auf – und deine Gedanken werden sich klären.
– Bitte Ihn, dich zu begleiten – und deine Füße werden geleitet.
Und obwohl unsere Füße und Hände an die sterbende Erde gebunden sind, wird Er zu uns sprechen, „Stehe auf!“ – selbst wenn wir sterben.
Verfasst von Bastiaan Baan, Priester
