Konfirmandenzeit: Den eigenen Weg gestalten
Die Bibel erzählt eine Geschichte, die man wie ein großes Bauprojekt verstehen kann. Sie beginnt in der Geborgenheit eines Gartens, im Paradies. In diesem Ursprung brauchte es keine festen Mauern; das Göttliche, der Mensch und die Schöpfung waren eins. Erst auf Erden begannen die Menschen, feste Orte zu errichten – vom einfachen Altar über Zelte bis hin zum prachtvollen Tempel in Jerusalem als sichtbares Zentrum ihrer Kultur. Aus Erdenstoffen wurden diese Bauten aufgerichtet.
Doch die Geschichte bleibt nicht beim Steinbau stehen. Im Neuen Testament weist Jesus darauf hin, dass der wichtigste „Tempel“ der Mensch selbst ist. Das Ziel der biblischen Reise ist schließlich das „Neue Jerusalem“: Eine Stadt, die sich als geistiges Bild vom Himmel herabsenkt. In ihr gibt es keinen steinernen Tempel mehr, denn das Göttliche ist in dieser Gemeinschaft unmittelbar lebendig.
Darin können wir ein Bild für die Entwicklung des Menschen sehen: Von der Geborgenheit und Einheit im Mutterleib hin zur Trennung und der Ausformung des eigenen Leibes – bis zu dem Augenblick, in dem die höchsten geistigen Kräfte dem Menschen zu eigen werden und er selbst zum Schöpfer und Gestalter seines Lebens wird.
Ein bedeutender Schwellenmoment
Mit etwa 14 Jahren erreichen Jugendliche genau den Mittelpunkt dieses Weges zwischen dem Paradies und der „neuen Stadt“. Es ist der Übergang von der Kindheit zur Jugend – ein Schritt, den Menschen aller Kulturen seit Urzeiten als bedeutsam feiern.
In den ersten 14 Jahren wächst das Kind in der schützenden Führung von Eltern und Umfeld heran – es baut sozusagen an der physischen Grundlage seines Lebens. Mit der Konfirmation beginnt die Phase, in der junge Menschen zunehmend zu den Architekten ihres eigenen Schicksals werden.
Diese neue Freiheit bringt eine wichtige Entdeckung mit sich: Die Jugendlichen spüren immer deutlicher, dass sie die Folgen ihres Handelns selbst tragen. Sie beginnen, sich weniger über ihre Herkunft zu definieren und mehr über das, was sie selbst als Ideal in die Welt bringen wollen.
Begleitung und Stärkung: Von der äußeren zur inneren Führung
Die Konfirmation möchte diesen tiefgreifenden Wandel bewusst begleiten. Bisher wurden die Kinder durch die Autorität und Liebe der Eltern und Lehrer von außen durch das Leben geführt. Mit dem 14. Lebensjahr beginnt diese äußere Führung jedoch zurückzutreten.
An die Stelle der Führung von außen tritt nun die Suche nach einer inneren Orientierung. Diese Kraft wird zur eigenen Entdeckung im Inneren. In diesem Sinne empfangen die Jugendlichen bei der Konfirmation zum ersten Mal die Kommunion – als das Göttliche, das in den Menschen einzieht, um fortan in den eigenen Händen zu liegen und von dort aus in die Welt auszuströmen.
Freiraum für die eigene Entwicklung
Wichtig ist uns dabei: Bei der Konfirmation wird kein fertiges Glaubensbekenntnis verlangt. Die Jugendlichen werden, wie es im Sakrament heißt, „ins Leben entlassen“. Das bedeutet, sie sind frei, ihre eigene Beziehung zur Welt, zum Geistigen und zur Gemeinschaft ganz individuell und selbstbestimmt zu gestalten. Mit diesem Sakrament wird keine formelle Zugehörigkeit zur Christengemeinschaft beschlossen.
Die Konfirmation ist somit eine festliche Ermutigung, den Weg der Kindheit hinter sich zu lassen und sich an den Geistesidealen zu orientieren, die im eigenen Herzen zu leuchten beginnen.
Informationen zum Konfirmationsunterricht
- Zeitraum: Die Vorbereitung beginnt mit dem Start der 8. Klasse und dauert in der Regel etwa 8 Monate. Da die Konfirmationen in der Osterzeit gefeiert werden, endet der Kurs im darauffolgenden Frühjahr.
- Treffen: Wir kommen in der Regel jeden zweiten Sonntag zusammen.
Beginn: 11:15 Uhr mit der Sonntagshandlung für die Kinder.
Abschluss: Gegen 13:30 Uhr nach einem gemeinsamen Mittagessen. - Konfirmandenfahrten: Ein wichtiger Teil der Gemeinschaft sind unsere beiden Fahrten: Wir verreisen meist einmal im Herbst zum gegenseitigen Kennenlernen und ein zweites Mal kurz vor der Konfirmation, um uns intensiv auf den Festtag vorzubereiten.
- Termine: Die konkreten Termine für das kommende Jahr werden kurz vor Beginn des neuen Schuljahres bekanntgegeben.
- Offenheit & Freiheit: Die Teilnahme am Unterricht ist unverbindlich. Alle Jugendlichen sind willkommen – unabhängig davon, ob sie bereits vorher Kontakt zur Gemeinde hatten oder nicht. Erst im Laufe der Zeit entscheiden die Jugendlichen selbst, ob sie den Schritt zur Konfirmation gehen möchten.
Informationen und Anmeldung: guido.rosell@christengemeinschaft.org