Die Christengemeinschaft
Hamburg-Blankenese

Gemeindebrief

Titian – Noli me tangere (1514)

Frühjahr 2026

Liebe Gemeinde,

die Fastenzeit beginnt. Das Leiden, die Passion Christi ist mit ihr verbunden. Aus dem Verzicht auf Liebgewonnenes wird eine Übung, die hilft, zu sich selbst zu kommen. Wer fastet, kann beschreiben, wie sich der Leib zunächst gegen die fehlende Nahrung wehrt, dann aber ein Gefühl von Klarheit entsteht, in dem Gedanken besser gefasst werden können.
Der Mensch wird auf sein irdisches Sein verwiesen. Der Aufgang der geistigen Sonne zu Weihnachten ist Vergangenheit geworden. Wo scheint diese Sonne jetzt? Die weiße Farbe am Altar weicht dem Schwarz der Passionszeit. Gewissheit weicht dem Zweifel. Wo bleibt das Licht des Geistes jetzt?
Wer bin ich? Was ist meine Aufgabe? Warum gibt es so viel Leid in der Welt? Warum muss ich leiden? Diese Fragen entstehen auch im Hinblick auf das Leiden des Menschensohns. 
Selbsterkenntnis kann in der Tiefe zur Einsicht führen, dass unser wahres Ich mit der in uns brennenden göttlichen Flamme verbunden ist.  Auf dem Weg dorthin mögen Einsichten über die Wesensanteile kommen, die uns zu einseitig und egoistisch werden lassen und damit neues Leid verursachen. Sie abzulegen und damit der inneren Flamme in uns neuen Raum zu schenken, ist ein Fasten im tieferen Sinn. Es fällt nicht leicht, auf die dunklen Seiten unseres Lebens zu schauen und in einem weiteren Schritt auch noch diese Anteile zu verwandeln. Schließlich hilft die Erkenntnis, dass auch diese Seiten zu uns gehören und nicht alle in einem Leben verwandelt werden können.
So kann Ostern und schließlich Pfingsten werden. Das Weiß erscheint wieder am Altar. Das geistige Licht, zu Weihnachten in uns geboren, hat sich durch das Hinschauen auf die irdischen Verhältnisse verwandelt. Es erscheint dann als eine geistige Kraft, die heilend auf die Welt wirkt. Damit das anfänglich gelingt, führt der Weg durch die Passion in die Auferstehung. 
Dafür wollen wir mit diesem Programm Anregungen geben. Zunächst wird Dr. Wolfgang Rißmann über Schmerz, Leiden und Selbsterkenntnis sprechen. Auf die sieben Worte am Kreuz werden wir in der Karwoche auch musikalisch blicken. Georg Dreißig wird in zwei Vorträgen mit den Titeln
„Ich bin, der ich nicht bin“ und „Der Himmel übt an dir Zerbrechen“, über die Wiederkunft Christi und die Neugeburt der Menschlichkeit sprechen.
Mit herzlichen Grüßen, auch im Namen des Pfarrer-kollegiums,
Christian Bartholl