Die Christengemeinschaft
Hamburg-Blankenese

Gemeindebrief

Herbst 2026

Liebe Gemeinde,

„Mit jenem Nachdenken, das vom Alten heraufgekommen ist, werden die Forderungen, die heute auftauchen, nicht gelöst. Die werden allein gelöst bei einer Menschheit mit einer neuen Seelenverfassung.“ Diese Worte hat Rudolf Steiner am 23. November 1919 kurz nach dem Ersten Weltkrieg in einer Vortragsreihe über den Erzengel Michael gewählt. Sie sind heute genauso aktuell wie damals. Damit stellt sich die Frage, was er mit der neuen Seelenverfassung meinte, die uns helfen kann, den Anforderungen der Zeit zu entsprechen. In einem anderen Zusammenhang erwähnt er, dass die Herzen beginnen, Gedanken zu haben. Gemeint ist ein Denken, das in der Berührung mit Empfindungen entsteht, in dem sich Herzenswärme spiegelt. Dieses Denken wird durch den Umgang mit ursprünglichen Bildern lebendig, wie sie auch im Evangelium zu finden sind. Dem Herzdenken steht ein intellektualistisches, abstraktes Denken gegenüber, das im Vergleich dazu als kalt empfunden werden kann. Wer anfängt, dieses Herzdenken zu üben, kann sich der Unterstützung des Erzengels Michael sicher sein.

Mit der Entwicklung der künstlichen Intelligenz beginnt eine Zeit, die nicht mehr vor allem durch das intellektuelle Kopfdenken, sondern mehr noch durch das scheinbare Denken von Maschinen geprägt wird. Im Gegensatz dazu wird die Entwicklung einer neuen Seelenverfassung zu einem Bewusstsein führen, das zeigt, wer wir als Menschen im Grunde sind: geistige Wesen, die einen Leib brauchen, um sich hier auf der Erde entfalten zu können. Dieser Leib schenkt uns durch seine Sinnesorgane die Wahrnehmungen, die eine Grundlage für das lebendige Denken und damit auch für die Bildung einer neuen Seelenverfassung sind. Die wachsende Aufmerksamkeit für diese Wahrnehmungen,
die uns das Leben schenkt, bildet eine gute Grundlage dafür.
Vieles in der Seele liegt im Dunkeln und kann durch Selbsterkenntnis ans Tageslicht gebracht werden. Im Evangelium findet sich ein großer Schatz von Anregungen, diese Seelenverfassung auszubilden. Damit ist der Menschheit eine unerschöpfliche Kraftquelle gegeben worden. Wer immer tiefer in sein Seeleninneres vordringt, wird ansatzweise erleben können, wie ihm aus diesen Seelentiefen der Auferstandene entgegenkommt. Er schenkt uns die innere Aufrichtungskraft, die uns hilft, mutig Licht ins Dunkel zu bringen, um mit einem denkenden Herzen eine neue Lebendigkeit entstehen zu lassen.
In diesem Sinn werden sich Uwe Sondermann mit einem Beitrag zum Sturz der Geister der Finsternis und Vicke von Behr mit einem Vortrag zu Michaels Kampf mit dem Drachen widmen. Ein Michaelifest für alle Altersgruppen soll uns auf die Herbstzeit einstimmen.

Ich wünsche Ihnen auch im Namen des Pfarrerkollegiums viel Mut und lebendige Gedanken für den Herbst.

Herzliche Grüße, Christian Bartholl