25 Jahre Priesterseminar in Hamburg

25 Jahre Priesterseminar in Hamburg
Foto: Sarah Knausenberger

Am 16. September 2026 wurde in der Johnsallee 17 in Hamburg groß gefeiert. Es gab Ansprachen, Podiumsgespräche und Musik. Der Anlass: vor einem Vierteljahrhundert wurde hier das zweite Priesterseminar der Christengemeinschaft gegründet.

Grußwort von Christian Bartholl

Wenn ich an die 25 Jahre des Priesterseminars in Hamburg denke, kommen mir Worte in den Sinn, die Heraklit zugeschrieben werden: „Alles fließt“. Sie entstanden zu Beginn der abendländischen Kultur und deuten auf eine tiefe Wahrheit, die mit dem Leben verbunden ist. Es vollzieht sich in stetiger Wandlung. Wer sich ihr entgegenstellt, erzeugt Hindernisse, die zu Schmerz und Krisen führen. Es fällt uns eben nicht leicht, Altgewohntes sterben zu lassen, damit Neues entstehen kann.

Das Priesterseminar in Hamburg wurde fünf Tage nach dem Einsturz der Twin Towers gegründet. Die Welt drohte, in Finsternis zu versinken. Die Gründungsereignisse waren eine lichtvolle Antwort darauf. Seitdem bieten die drei Priesterseminare in Stuttgart, Hamburg und in Nordamerika sehr unterschiedliche Angebote für die Bedürfnisse der Studierenden.

Der Seminarort Hamburg ist als Hafen- und Handelsstadt offen für die Einflüsse der Welt. Die Seminarräume bieten neben der Anthroposophischen Gesellschaft und der Gemeinde in der Johnsallee eine Nachbarschaft, die dieser Offenheit dient. In der Gründungsphase wurde das Curriculum aus dem bestehenden Programm des Priesterseminars in Stuttgart heraus weiterentwickelt. Die Studenten verbanden sich durch ihre Studienpraktika als Teil des Curriculums mit dem Leben in der Stadt und in den Gemeinden.

Mit der Berufung der neuen Seminarleiter Ulrich Meier, Christian Scheffler und Erich Colsmann wenige Jahre nach der Gründung war ein neuer Entwicklungsschritt für das Seminar verbunden. Erich Colsmann war das erste Mitglied einer Seminarleitung, das keine Priesterweihe empfangen hat. Die Seminarleitung entwickelte mehrmals das Gesicht des Priesterseminars weiter. Sie ließ sich durch die Frage nach einer zeitgemäßen Erwachsenenbildung leiten. Das Team suchte Anregungen auch durch externe Beratung und Interesse für das gesellschaftliche Umfeld. Wichtige Impulse konnte die Evaluation der Priesterausbildung durch Michael Brater und seinem Team geben. So entstand ein zukunftsweisendes Konzept für ein Studium, das die Berufserfahrung und das Studieren miteinander verbinden hilft.

Die Veränderungen in der Gesellschaft und den damit verbundenen Persönlichkeitsentwicklungen bildeten den Anlass für die Seminarleitung, das Seminarkonzept weiter zu entwickeln. Durch die Anforderungen des Alltags ist es heute schwer möglich, sich in der Mitte des Lebens ganz aus dem bisherigen Berufsalltag zu lösen, um ein Vollzeitstudium zu beginnen.

So entstand aus den gesammelten Erfahrungen heraus die Idee, ein berufsbegleitendes Seminar anzubieten. Mit den inhaltlichen Veränderungen wurde eine räumliche Neukonzeption notwendig. Glücklicherweise bieten die räumlichen Verhältnisse im Mittelweg 13, im Rittelmeyersaal und im Gemeindehaus in der Johnsallee vielfältige Möglichkeiten, Anpassungen in der Raumnutzung zu verwirklichen.

Für die Region Norddeutschland ist das Priesterseminar seit seiner Gründung ein wichtiger Bestandteil des Gemeindelebens. Es befruchtet die Arbeit in den Gemeinden, insbesondere in Hamburg-Mitte. Studenten und Gemeindemitglieder bilden eine lebendige Gemeinde. Der Ort ist offen für Menschen aus der Umgebung. Mit dem schönen Garten bilden die Räume ein einladendes Ensemble, das eine gute Umgebung für das offene Studienkonzept bildet.

„Alles fließt“. Das gilt auch nach 25 Jahren, von denen Christian Scheffler und Ulrich Meier 18 Jahre lang zusammengearbeitet haben. Mit der Berufung zum Lenker der Region Westdeutschland geht Christian Scheffler nun andere Wege. Neue Perspektiven ergeben sich durch die Mitarbeit in der Seminarleitung von Tabea Hattenhauer ab dem Sommer 2027. Torsten Trogisch wird als Geschäftsführer die Verwaltungsaufgaben von Christian Scheffler übernehmen.

Neben den personellen Veränderungen sind gerade die Räume des Seminars den jetzigen Bedürfnissen angepasst worden. Es werden sicherlich nicht die letzten sein. Die Welt ändert sich und das Priesterseminar auch. In der Wandlung besteht die Kontinuität des Seminars seit 25 Jahren. Daran wird sich hoffentlich auch in Zukunft nichts ändern.

Verfasst von Christian Bartholl, Priester in Hamburg-Blankenese und Lenker für die Region Norddeutschland               

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