„Gebt ihr ihnen zu essen!“ (Lukas 9: 13).

„Gebt ihr ihnen zu essen!“ (Lukas 9: 13).
Foto: pexels marcelo avila

Predigt der Woche

Je mehr Chaos in der Welt herrscht, desto mehr verlangen die Menschen nach starken Führern, die ihnen sagen, was zu tun ist. Führer, die auf alle Fragen und Probleme die befreiende Antwort geben.

Dabei vergessen wir oft – oder wollen nicht hören –, dass solche Führer uns nicht etwa die Freiheit geben, sondern nehmen. Die Geschichte wimmelt von Diktatoren, welche die Menschen scharenweise zu Sklaven gemacht haben.

Trotzdem nimmt das Ganze kein Ende, weil so viele von uns über schwierige Fragen und Entscheidungen nicht selbst nachdenken wollen. Jahrhundertelang war auch das Christentum in der Gefahr, eine Religion der Autoritäten zu werden – bis auf den heutigen Tag. Schon vor zweitausend Jahren erwarteten die Jünger – ja, auch sie! –,  dass Christus ihnen sagen würde, was sie tun sollten.

Aber Christus möchte uns nicht zu Sklaven machen. Nirgends in den Evangelien bezieht sich das Wort „gehorchen“ auf diejenigen, die ihm nachfolgen.

Anstatt den Menschen Weisungen zu geben,  appelliert Er an unseren Willen: „Wer Ohren hat zu hören, der höre!“.

Statt einen Kranken ungefragt zu heilen, fragt Er: „Hast du den Willen, gesund zu werden?”.

Statt die Massen zu ernähren, bittet Er Seine Jünger: „Gebt ihr ihnen zu essen!“.

Bis auf den heutigen Tag macht Er sich – freiwillig! – abhängig von unserem freien Willen.

Aber wenn wir Ohren haben zu hören, wenn wir den Willen haben, zu genesen, wenn wir Ihm das Mahl bereiten, kann Er unsere unvollkommenen Versuche segnen und heilen – zusammen mit uns.

Verfasst von Bastiaan Baan, Priester

Das könnte Sie auch interessieren