Der verlorene Sohn (Lukas 15)
Die Geschichte des verlorenen Sohnes wiederholt sich ständig – nicht nur in den Variationen, die das Evangelium bringt, sondern auch in unserem eigenen Leben.
Hier scheint es um mehr zu gehen als nur um einen Einzelnen, der sich im Leben verirrt hat und schließlich zum Hause seines Vaters zurückkehrt. Geht es vielleicht sogar um uns alle – um unsere heutige Menschheit, die den Weg des verlorenen Sohnes wandelt?
Je weiter wir in der Geschichte zurückschauen, umso entfremdeter fühlen wir uns von unserem Ursprung. Und so kann der Weg in die Zukunft immer aussichtsloser erscheinen. Den radikalsten Ausdruck dieser Entfremdung finden wir bei der „No future-Generation“. Diese jungen Menschen fühlen sich mit ihrem selbst gewählten Namen nicht nur von ihren Wurzeln abgeschnitten, sondern auch von der Zukunft.
Wir Menschen haben alle unser himmlisches Haus verlassen und dadurch unser Erbe – das Erbe des göttlichen Ursprungs – verloren, um in der Wüste des äußeren Daseins umherzuirren.
Aber die einsamsten Augenblicke der Entfremdung und Isolierung können, wie beim verlorenen Sohn, zum Entschluss führen: „Ich will aufstehen und zu meinem Vater gehen…“
Auch wenn wir alle gleichsam verlorene Söhne und Töchter sind, auch wenn wir alle Anteil haben am Hunger nach dem Geistigen und an der Ohnmacht der Menschheit, – ist es trotzdem nicht zu spät.
Und doch: Diesen Schritt kann keiner für den anderen tun. Jeder muss zu sich selbst kommen – jeder für sich. ICH muss aufstehen und zu meinem Vater gehen.
Und Er – Er wartet auf jeden von uns. Er geht uns sogar entgegen – auch dann, wenn wir uns von Ihm abgewendet haben. Er will uns finden – auch dann, wenn wir verloren sind.
Verfasst von Bastiaan Baan, Priester
