Predigt der Woche

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Die Heilung eines Blinden (Lukas 18, 35-43)

In unserer heutigen Gesellschaft werden Handicaps nicht akzeptiert – im Gegenteil. Es gibt ein ganzes Heer von kranken, schwachen und gehandicapten Menschen, die selbst entscheiden, um am Rande der Gesellschaft zu leben, die unsichtbar bleiben wollen, weil sie sich davon bewusst sind, dass man ihnen nachstarrt, sie auslacht oder noch schlimmer. Am liebsten wollen wir nicht konfrontiert werden mit ihren Gebrechen, ihren Schmerzen und ihrem Kummer. Und so verhalten wir uns nicht nur bei Menschen mit physischen Gebrechen, sondern noch mehr bei Menschen, die verwirrt sind. Wir wollen sie nicht sehen. Sie stören unsere Seelenruhe. Wir schliessen sie aus oder sperren sie in eine Klinik ein.

Nur selten realisieren wir uns, dass ein Handicap auch ein Ansporn sein kann, um ganz neue Fähigkeiten zu entwickeln. Das Zuhören zum Beispiel. Die Fähigkeit, dass man mehr „hört“ als nur die ausgesprochenen Worte. Ein Blinder nannte dies einst „moralische Musik“: die Intention, die sich hinter den Worten verbirgt. Auch ein Tauber kann oft schärfer wahrnehmen als andere Menschen.

Nicht nur physische, auch mentale Gebrechen können Anlass sein, um sie während des Lebens zu entwickeln und Schwäche in eine Kraft zu verwandeln.

Ein blinder Bettler sitzt am Wegesrand. Die Menschen, die Augen haben um zu sehen, erzählen ihm: „Jesus der Nazarener geht vorbei.“ Der Blinde jedoch sieht mehr: er ist der Einzige, der ihn bei seinem wahren Namen ruft: „Jesus, Sohn Davids, erbarme dich meiner!“ Sohn Davids, dies ist einer der Namen des Messias. Der Blinde erkennt nicht nur den Menschensohn, sondern auch den Gottessohn.

Erst dann, wenn er geheilt ist von seiner physischen Blindheit, werden auch die anderen geheilt von ihrer mentalen Blindheit und fangen an zu sehen, was ihnen bis zu diesem Augenblick verborgen war. „…und alles Volk sah es und lobte Gott“ (Lukas 18,43). Durch die Jahrhunderte hin erklingt der Ruf des blinden Bettlers am Altar: „Kyrie eleison – Herr, erbarme dich!“ – damit wir erkennen, dass Er uns alle heilen will.

Verfasst von Bastiaan Baan, Priester

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