Das Bekenntnis des Petrus (Markus 8,27-38)
Selten geht es im Evangelium um einmalige, historische Ereignisse. Es sind vielmehr Urbilder, die sich in unserem Leben auf allerlei Arten wiederholen – nicht nur bei Individuen, sondern auch in Gemeinschaften. Das Bekenntnis und die Verleugnung des Petrus kommen uns bekannt vor, auch in unserer Christengemeinschaft.
Bei der Gründung der Christengemeinschaft wurde uns Antwort gegeben auf die Frage: „Ihr aber, wer sagt ihr, dass ich sei?“ Die Antwort: „Du bist der Christus“ klingt in allen Tonarten in unseren Sakramenten. Dies ist jedoch nicht unser Verdienst. Religion ist noch nicht dadurch erneuert, dass die Sakramente zelebriert werden. Die Menschenweihehandlung ist nicht das allerletzte, erlösende Wort, so wenig, wie auch das Bekenntnis des Petrus. Dem Geschenk höchster Einsicht folgt menschliches Defizit: das Irren von Petrus, der Christus warnt vor seinem künftigen Leidensweg. Christus: „Du meinst nicht, was göttlich, sondern was menschlich ist.“
Wie in jeder anderen Gemeinschaft gibt es auch in unserer Christengemeinschaft Menschen mit allerlei Unvollkommenheiten: Verirrungen, Verleugnungen und Schwächen. Gott sei Dank ist Christus nicht gekommen, um vollendete Menschen in eine vollendete Zukunft zu führen.
Wie bei Petrus, dem schwankenden Felsen unter den Jüngern, nimmt Er die Last unserer Gebrechen auf sich. Dies befreit uns aber nicht von unserem Auftrag, immer wieder aufs Neue zu versuchen, unsere schwachen Kräfte am Altar zu bündeln. Und erst in unserem ernüchternden Bewusstsein, dass wir Seiner unwürdig sind, können wir mit Hilfe von Christus die Menschenweihehandlung würdig vollbringen.
Dann wird unser Bekenntnis volle Realität.
Verfasst von Bastiaan Baan, Pfarrer im Ruhestand
